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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1868-01-01 · 1868 · page 24

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1868
Date
1868-01-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
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16 Ihre Gegner warfen ihnen beharrlich vor, dass sie diese Mysterien durch Ausschweifung bethätigten. Mit der Verwerfung des Judenthums und sämmtlicher daraus emanirten Gesetze sollen sie auch die Keuschheitsgesetze verworfen und sich gar blutschänderische Umarmungen haben zu Schulden kommen lassen, gerade dasselbe, was die Christen im zweiten Jahrhundert manchen gnostischen Sekten nachsagten. Mit der Ehe nahmen sie es sehr leicht und wechselten ihre Frauen wie Kleider. Diese sabbatianische Sekte oder Donmäh traf Niebuhr auf seinen Reisen im Orient in Salonichi, und er schätzte ihre Glieder auf 600 Familien1). Sie bestehen noch gegenwärtig äusserlich als Türken und sollen seit Niebuhr's Zeit (seit 1784) auf 50,000 Seelen gewachsen sein2). Sie werden natürlich von der türkischen Bevölkerung nicht als volle Mohammedaner angesehen und mit misstrauischem Auge betrachtet, besonders weil sie nur unter einander heirathen. Vor nicht langer Zeit hat ihnen der jetzt regierende Sultan Abdul-Aziz die Toleranz gewährt, nach ihrem Bekenntniss frei leben zu können. Fügen wir gleich hinzu, dass sich eine ähnliche sabbatianische Sekte sporadisch in Polen gebildet hatte. Ihr Stifter war ein jüdischer Pole Chajim Mal ach, welcher sich ebenfalls dem kabbalistischen Schwindel ergeben, Reisen im Orient gemacht und in Salonichi längere Zeit unter den Donmäh geweilt hatte. "Nach Polen zurückgekehrt (1710 —1715), )ehrte er dieselbe Theorie und fand viele gelehrige Anhänger. Nur mussten diese polnischen Sabbatianer ihr Bekenntniss und ihr Treiben geheim halten, weil sie von den Rabbinen scharf beobachtet wurden, namentlich als einer ihrer Emissäre, Mose Meir Kamenker in Frankfurt a.M. (1725) ertappt und entlarvt worden war. Die fürchterlichsten Bannflüche sind in Folge dessen von deutschen Rabbinen und der jüdisch-polnischen Synode gegen die Sabbatianer aller Gattungen geschleudert worden. Jedermann wurde verpflichtet, Anzeige von ihrem Treiben zu machen. Nichtsdestoweniger erhielten sich solche Sektirer im Geheimen in 1) Deutsches Museum Jg. 1784 B. II, S. 17. 2) Aus der Zeitung „Le Levant" ausgezogen in der hebr. Wochenschx-ift „Maggid" Jahrgang 1863, S. 28.

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