Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1868
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
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15 und Monologe ihnen, wie den Mystikern jüdischer und christlicher Kreise von jeher, einen weiten Spielraum für abenteuerliche Auslegung und Deuteleien gewährten. Im höchsten Ansehen stand bei ihnen das kabbalistische Grundbuch Sohar, das Lügenwerk des Mose de Leon (entstanden um 1300), das damals allgemein als Werk des talmudischen Weisen Simon ben Jochai oder vielmehr als eine höhere Offenbarung galt. Drollige Ineonsequenz der Sektirer! Sie verwarfen Bibel und Talmud und klammerten sich an ein Buch, das im besten Falle eine talmudische Autorität zum Verfasser haben konnte. Das kam daher, dass der Sohar den sabbatianischen Ketzern Anhaltspunkte für ihre Mystik bot. Sie haben daraus ihre Theorie von der Vergöttlichung des Messias und der Vermenschlichung Gottes gezogen. Sie nahmen eine eigene Art Trinität an, und auch diese Afterlehre stützten sie auf Belegstellen des Sohar. Die erste Person nannten sie die höchste Ursache (causa omnium causarum) oder den „heiligen Uralten" (Attika Kadischa), die, weil undenlich erhaben, keinen Einfluss auf die Weltregierung üben könne. Die zweite Person war ihnen der Gott Israels (Elohe Israel) oder der heilige König (Malka Kadischa), ihn identificirten sie mit dem Messias, d. h. mit Sabbatai Zewi und seinen Nachfolgern, auf welche dessen Seele übergegangen sei. Sie nahmen aber noch eine dritte Person in der Gottheit an, die weibliche Ergänzung zum männlichen Messias (Schechina oder Matronita1). Diese drei Personen (Telat Parzußm) bilden jedoch eine Einheit. Die Aufgabe der Gläubigen sei es, nach dieser neuen trinitarisch-messianischen Religion, durch Gebete und gottesdienstliche Handlungen die Vereinigung dieser Dreiheit zu bewirken, wodurch erst die Gottheit zu ihrer Vollkommenheit gelangen könne. Diese Vereinigung symbolisirten sie mit zweideutigen und sogar lasciven Bezeichnungen von Verehelichung und Geschlechtsliebe (Siwwug), und dazu diente ihnen der Text des hohen Liedes ganz vortrefflich. *) fc> 5>y rby, «anp Npny, btcw* vAn, xvmp nd$>d, nra», arMri&D; rr&yrr, vergl. darüber und das Folgende Graetz, Geschichte der Juden B. X, Noten 3, 4, 6 und 7.