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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1868-01-01 · 1868 · page 25

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1868
Date
1868-01-01
Page
– (sequence 25)
Language
German
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IRI
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17 den südpolnischen Provinzen, namentlich in Podolien und im Lembergischen, machten zwar äusserlich die jüdischen Riten hyperorthodox mit, trieben aber ihr "Wesen weiter und gingen auf Propaganda aus. Geheime Schriften, kabbalistisch - erotischen Inhaltes, mit blasphemirenden Floskeln, circulirten in ihrer Mitte, an denen sie sich erbauten. Den Sohar verehrten sie ebenso wie ihre Bekenntnissverwandten in der Türkei als eine neue, höhere, heilige Schrift, als die Thora der Geisteswelt (Thora di- Azilut, im Gegensatz zur Thora di- Beriah). Die Armuth, die Bedürfnisslosigkeit und der Hang der polnischen Juden damaliger Zeit zur Mystik, zur Phantasterei und besonders zum Müssiggange (wie sie einer der Ihrigen, der abenteuernde kantische Philosoph Salomon Maimon schildert) machten sie zum Sektenwesen ganz besonders geeignet. Sie, gewissermaassen von der Wiege an im Talmud und Sohar erzogen und geschult, deren eisernes Gedächtniss jedes Wort in dieser weitschichtigen Literatur festhielt, und deren Auslegungssucht, Scharfsinn und Witzhascherei in Allem und Jedem etwas Höheres und Mystisches suchten, waren für diesen mystischen und zugleich sinnlichen Schwindel wie prädestinirt. Männer vom Schlage Salomon Maimons, „von verworrenen Gedanken und unverständlichem Jargon", die mit dreizehn Jahren heiratheten, bei ihren öfter armen Schwiegereltern als Kostgänger lebten und gezwungen waren, ihre noch jüngeren Frauen bald zu verlassen, von Ort zu Ort als Talmudlehrer, Prediger oder Rabbiner zu wandern, die, mit dem Elende vertraut, darüber hinwegzukommen suchten, sie fanden in der Mystik eine Art Alkohol, der ihnen über die freudenlose Wirklichkeit hinweghalf. Früher einer fast übermenschlichen Askese huldigend — wie der überfromme Simon aus Lubasch (von Maimon erzählt), der sechs Jahre hintereinander jeden Tag fastete, nur Abends etwas genoss und zuletzt sich zu Tode hungerte — ergriffen die polnischen Kabbalisten mit Gier nach der sabbatianischen Theorie: dass sie durch ein wildes, gesetzloses Leben dasselbe Ziel, die Förderung der Messiaszeit, die Wiederherstellung der durch die Sünde gebrochenen Welt, das Himmelreich, erreichen könnten. Die polnischen oder, nennen wir sie, podolisehen Sabbatianer gingen von Extrem zu Extrem, von Hypernomismus zum Antinomismus, über. Mit jeder Falte des Talmud vertraut, fanden sie eine

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