Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1868
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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14 auch als einen Gottmenschen, als Incarnation Gottes. Zur Theorie dieser Sabbatianer gehörte ganz besonders die kabbalistische Seelenwand erung. Die Seele des Messias, die einen Theil der Gottheit bilde, oder vielmehr die Gottheit in Fleisch, in Leibesleben darstelle, hülle sich in jedem Zeitalter in den Körper eines vollkommenen Menschen, der eben dadurch die ganze Machtfülle, über Geister und über die Natur zu herrschen und Wunder zu verrichten, erhalte. Diese Messiasseele habe sich auch in Jesus und Mohammed verkörpert; in Sabbatai Zewi habe sie gewissermaassen ihren vollen Ausdruck erhalten. Als sein unmittelbarer, leiblicher Nachfolger galt diesen Sabbatianern Jakob Querido, Sabbatai Zewi's Schwager (oder Sohn, wie seine Mutter behauptete). Querido und seine Anhänger haben zuerst äusserlich die mohammedanische Religion angenommen (um 1687) und erhielten den Namen Don mäh, d. h. Abtrünnige, Apostaten vom Judenthume. Querido's Nachfolger war sein Sohn Berech ja oder Barochia, den Frank noch gesehen haben mag; denn er erreichte ein hohes Alter (um 1690—1740). Ihn verehrten die Salonicher Sabbatianer ganz besonders und richteten Gebete an ihn1). Er scheint keine männliche Nachkommen hinterlassen zu haben, sondern nur nächst seiner Wittwe (welche diese Sektirer die heilige Matrona und die „Herrin" [Gebira] nannten) noch eine junge Enkelin, von ihnen das „heilige Mädchen" genannt (Naara Kadischg). Sie war für den künftigen Nachfolger Berechja's oder die nächste Incarnation der Gottheit zur Braut bestimmt2). Es versteht sich von selbst, dass die Donmäh das ganze Judenthum verwarfen, das, nach ihrer Theorie, mit dem Eintritt des wahren Messias oder der letzten Incarnation Gottes seine Bedeutung verloren habe. Nur die Beschneidung im achten Tage nach der Geburt behielten sie bei. Von der heiligen Schrift nahmen sie nur das hohe Lied mit hinüber, dessen Liebesdialoge *) S. Beilage VI. Ueber die Theorie der Sabbatianer (Graetz, Geschiente der Juden B. X, Note 3 und 4). 2) Bei Emden mp3Nnn p. 63 a. Sie soll Jonathan Eibeschütz' jüngstem Sohn, dem Abenteurer Wolf Eibeschütz, der sich Baron von Adlersthal nannte, zugedacht gewesen sein.