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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1866-01-01 · 1866 · page 131

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1866
Date
1866-01-01
Page
– (sequence 131)
Language
German
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129 So endet denn mit einem eigenartig hellenischen, erdwärts Wet^0_der strebenden Zuge die Darstellung einer Opfertheorie, welche in phsa£?en mannigfacher Hinsicht der althellenischen Sitte entgegen und der religiösen Richtung späterer Weltalter nahe tritt. Ihre Bedeutsamkeit entspringt nicht sowohl aus einer individuellen Geisteskraft des Darstellers; vielmehr zeigt die Behandlung gar vieler Einzelheiten einen im Streben nach populärer Erbaulichkeit allzu sehr verdünnten Rationalismus, welchen der aufmerkende Leser, auch ohne jedesmal ausdrücklich erinnert zu werden, nur zu deutlich empfunden und daran den Abstand zwischen dem grossen Stagiriten, dessen Nüchternheit stets von Gedankenstärke begleitet ist, und seinem ihm nächststehenden Schüler ermessen haben wird. Aber eben weil dem Theophrastos die Originalität mangelt, kann seine hier überblickte Opferlehre an einem um so anschaulicheren Beispiel zeigen, wie gegen das Ende der hellenischen Entwickelung die von den leitenden Geistern früherer Jahrhunderte ausgestreuten Keime aufgegangen und zu Früchten gediehen waren, welche aus der Hand mittelgrosser Denker die Menge der Durchschnittsmenschen in einer ihr gemässen Zubereitung empfangen konnte. Bald nach dem Erwachen der griechischen Philosophie beginnen zugleich mit der Auflehnung gegen die anthropomorphische Personification der Götter von verschiedenen Seiten her die Angriffe auf die blutigen Opfer. Nicht blos die Pythagoreer und Empedokles (s. oben S. 80) verwerfen, von der Gleichartigkeit der Thier- und Menschenseele ausgehend, jedes mit Blutvergiessen verknüpfte Opfer als einen Seelenraub; auch dem hervorragendsten Vertreter der jonischen Philosophie, dem Ephesier Herakleitos, wird durch sein Streben nach Läuterung des Gottesbegriffs eine tiefe Abneigung gegen den herkömmlichen Altardienst eingeflösst. Wie er in Homer den Gründer und Träger der gangbaren Mythologie auf das Heftigste verfolgt (Diog. Laert. 9,1), so schleudert er auch den bittersten und derbsten Hohn gegen die bestehenden Sühneceremonien: cUm sich zu reinigen — ruft er*1) — besudeln sie sich mit Blut, ganz so wie wenn Jemand cder in Koth getreten hat, sich mit Koth säubern wollte.1 Mit welch glühendem Eifer Piaton ebenfalls zunächst die Sühnopfer bekämpft, ist oben (S. 104ff.) hervorgetreten; die anderen Opferarten verwirft er zwar nicht geradezu, wenn sie von wahrhaft frommer 9

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