Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1866
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 130)
- Language
- German
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128 werden, so erkennt man alsbald dieselben Gedanken in denselben nur etwas kürzer gefassten Worten, welche oben (S. 62 ff.) vorliegen. Und wenn endlieh von jenen die menschliche Feldarbeit unterstützenden Himmelsgöttern gesagt wird, dass der Mensch schon cwährend seiner Lebenszeit sie sehe (ovg vvv oQaivTag Z. 496)/ so erscheint hier am Schluss noch einmal dieselbe peripatetische Lehre von der Göttlichkeit der Himmelskörper, welche am Anfang der gesammten Darstellung (s. oben S. 44) berührt war; Nur Einen bisher von Theophrastos nicht erwähnten oder von dem excerpirenden Porphyrios übergangenen Punkt finden wir in die Recapitulation verwebt: die Verehrung der Erde als Hauptgottheit neben den Himmelskörpern (Z. 491). Das Anrecht auf einen solchen Cultus wird, entsprechend dem hier eingeschlagenen Gedankengang, zunächst daraus hergeleitet, dass die Erde zu jener grössten Förderung des Menschenlebens, den Feldfrüchten, das Meiste beiträgt, indem sie die Gewächse hervorspriessen lässt (Z. 491), welche dann erst durch den Einfluss der Himmelslichter gezeitigt und durch der Menschen Arbeit veredelt werden können. Aber gleich darauf wird ihr eine noch höhere, von jeder Einzelwohlthat unabhängige Würde zuerkannt; die Erde ist ein ""gemeinsamer Heerd (y.oivi\ stTila, focus publicus Z. 491) der Götter und Menschen f sie bildet den Boden, auf welchem die Götter herablassend mit den Menschen und die Menschen über sich hinaufgehoben mit den Göttern als gleichartige Wesen verkehren. Und bei aller Erhabenheit ihrer Würde erregt sie die innigsten Gefühle; die Menschen "schmiegen sich an sie wie an eine Mutter (Z. 493)/ die starke Trägerin des Götter- und Menschen Vereins ist zugleich die cAmme (cgotpog Z. 493), welche den Säugling nährt.3 die KovQOTgoyoc, der in Athen ein Tempel geweiht war (Pausan. 1, 22, 3). Auch durch die Worte des peripatetischen Philosophen klingt vernehmlich jener zugleich kindlich vertraute und ehrfürchtig zurückhaltende Ton, in welchem die griechischen Dichter zu allen Zeiten von der cErdeJ geredet haben; das unverwüstliche hellenische Volksgefühl, dass das Irdische nicht ein Schattenhaftes, sondern ein gediegen Festes, die Erde nicht ein Jammerthal, sondern eine Stätte des Behagens sei, giebt sich in symbolischer Form Ausdruck, indem es die rij als unerschütterlichen gemeinsamen Weltenheerd angebetet und als liebe Mutter von jedem einzelnen Erdengeschöpf geherzt werden lässt.