Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1866
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 127)
- Language
- German
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125 Nichterwähnung des Essens, musste jedoch dem Porphyrios für seine Tendenz höchst ungelegen sein; und um den Eindruck der theophrastischen Worte auf seine Leser zu schwächen, versieht er sie mit einer Zuthat, die schon im ersten Satz, sowohl durch das was erlaubt, als durch das was verboten wird, ihren nichttheophrastischen Ursprung bekundet. Ohne den Yersuch einer argumentativen Begründung heisst es mit einer blos anknüpfenden Partikel undmit ungelenker Wiederholung der theophrastischen Worte (Z.471): cUnd wie es vor Alters die Menschen für Sünde hielten, sich an cdiesen Thieren zu vergreifen, so muss man jetzt es für Sünde chalten, an den Thieren überhaupt sich des Essens wegen zu vergreifen. Sollte man es auch vielleicht des Gottesdienstes wegen cthun müssen, so muss doch dieses Schlimme an sich aus dem 'menschlichen Körper verbannt bleiben, damit wir nicht, indem wir czu unserer gewöhnlichen Nahrung Unstatthaftes wählen, die Becfleckung (f.Uaafia Z. 476) dauernd in unserem Dasein sich einbürgern lassen/ Hier wird also erstlich mit einem unlogischen Sprunge, der in Theophrastos' Sinn durch Nichts gerechtfertigt oder gemildert wäre, auf alle Thiere ausgedehnt, was unmittelbar vorher blos für die zahmen Thiere aufgestellt war; und zweitens wird eintretenden Falles der Genuss geopferten Fleisches gestattet — ein Zugeständniss, zu welchem nur Porphyrios um der pythagoreischen Praxis willen (s. oben S. 120) sich konnte gezwungen glauben; dass es dagegen mit der Absicht des eben das Opfern der Thiere vorzüglich bekämpfenden Theophrastos unverträglich ist, braucht, nachdem dieser Punkt so oft erörtert worden, hier nur constatirt und nicht abermals bewiesen zu werden. Endlich trägt cdie dauernde Befleckung ((.uaa^ia)3 des Lebens durch verbotene Genüsse zu unverkennbar das Gepräge der neuplatonischen Askese, als dass Kenner des Ganges griechischer Philosophie den mindesten Zweifel über die nichtperipatetische Herkunft hegen könnten; zum Ueberfluss sei auf das zwanzigste Capitel des vierten Buches (p. 184) verwiesen, wo Porphyrios diese Miasmenlehre seiner Schule in eigenem Namen des Breiteren vorträgt. Nach allem diesen kann es nun auch nicht Wunder nehmen, dass im weiteren Verlauf des Zusatzes das nothwendige neuplatonische Correlat der Befleckung/ die Reinigungs- und Sühneceremonien zum Vorschein kommen. Von dem Zuge seiner Schultheorie fortgerissen, sagt