Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1866
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 126)
- Language
- German
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124 Beistand aller Anwesenden tödten lässt (s. oben S. 59, Z. 101). Sopatros hingegen vollbringt die That ohne Theilnehmer in augenblicklicher Aufwallung (Z. 430); ausdrücklich hebt Theophrastos hervor, dass sie sein Gewissen eben so belastete und er sie auf dieselbe Weise durch freiwillige Verbannung sühnen wollte, wie wenn er einen Menschen getödtet hätte (Z. 434); auch nachdem die Athener bereits erfahren haben, dass das Orakel ein Stieropfer verlangt, will kein eingeborener Athener sich mit dem Blutdienst verfangen (Z. 444); und dem Fremden, der sich dazu bereit erklärt, muss die Gemeinde jede noch so hohe Forderung bewilligen. Da dieselbe Gleichstellung der Stiertödtung mit dem Menschenmorde auch der aus dem Opfer sich entspinnenden Gerichtsverhandlung zu Grunde liegt, welche nach alterthümlichem Rechtsbrauch mit der Verurtheilung des Mordwerkzeugs statt des unermittelten Mörders endigte, so verweilt Theophrastos auch bei der Schilderung dieser juristischen Scene mit viel grösserer Ausführlichkeit (Z. 453 bis 460) als alle uns sonst über das Dipolienfest vorliegenden, vergleichsweise sehr mageren Berichte; ihnen ward denn auch von den neueren Behandlern der attischen Sacralantiquitäten die hiesige Darstellung wegen ihrer Vollständigkeit vorgezogen, trotzdem man in ihr nur einen so späten Zeugen wie Porphyrios zu vernehmen glaubte; die Erkenntniss ihres theophrastischen Ursprunges verleiht ihr eine den sachlichen Werth der einzelnen Angaben sowohl erhöhende wie erklärende äussere Autorität. Gemäss dem dargelegten Gang der Erzählung und vorsichtig die Gesammttendenz seines Buches innehaltend zieht Theophrastos die Nutzanwendung aus der antiquarischen Episode in folgenden Worten: cSo sehr hielt man es vor Alters für Sünde, die dem fmenschlichen Dasein durch ihre Arbeit förderlichen Thiere zu ctÖdten (y.xeivsiv %a awsgya coTg ßloiq faißv £9")« Z. 470), und auch 'jetzt sollte man dies vermeiden.5 Also, wie die oben (S. 81) entwickelte Theorie nur die Tödtung zahmer Thiere für ein Unrecht erklärte, so beschränkt Theophrastos seine Abmahnung auch hier auf die Thiere, welche gleich dem in der Dipolienfeier auftretenden Stier cmit dem Menschen arbeiten;3 und da er nur das Opfern der Thiere verbieten will, dieses aber ohne Essen denkbar ist, so spricht er auch nur von Tödten und nicht von Essen. Beides, die Beschränkung auf bestimmte Thierarten und die