Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1866
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 125)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/2720904-2720933-2720934--0741-2721983- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
123 bedingt er sich, wenn er das Orakel erfüllen solle, die, zumal für die ältere Zeit, hohe Belohnung, dass man ihn durch Gemeindebeschluss zum athenischen Bürger ernenne (noXi-cip avzbv noii{(säfAsvoi Z. 445) oder, wie die juristische Fiction es in solchem Falle verlangt, zum Adoptivsohn der Gemeinde (vtbc noXsmq) mache. Beruht sonach die .Peripetie der theophrastischen Erzählung auf der Umwandlung des fremden Sopatros in einen Athener, so ist priesterliche Würde desselben von selbst ausgeschlossen nicht blos für die Zeit als er den Stier im Zorn tödtete und noch Metöke war, sondern auch als er nach erlangtem Bürgerrecht bei dem Opfer das Amt der Stierschlachtung übernahm (Z. 465). Denn nach athenischem Gesetz, dessen Bestimmungen den Ausbildnern der Sage so wenig wie dem Theophrastos unbekannt sein konnten, blieb auch das niedrigste Priesteramt, geschweige ein so hohes wie das des Zeus Polieus, den Adoptivbürgern selbst verschlossen, und konnte erst von der zweiten Generation bekleidet werden*"). Wahrscheinlich sind die abweichenden Sagenbildungen hervorgegangen aus entgegengesetzten genealogisirenden Tendenzen bei der Herleitung des Eupatridengeschlechts, welches von der erblichen Function des Stierschlachtens am Dipolienfest den Namen Stierschlächter (ßovtvnoi Z. 465) führte. Die Heraldiker, welche diesen Adelichen den Vorzug unvermischten athenischen Blutes wahren wollten, schmückten gleich den Ahnherrn als autochthonen Athener Diomos mit einem der höchsten Priesterämter• boshaftere Forscher, etwa von der Art des Herodot, der z. B. über den Führer der Adelspartei Isagoras sagt (5, 66):. cer war zwar aus cguter Familie; aber wie es mit den Ahnen steht, vermag ich nicht canzugeben-, so viel ist sicher, seine Geschlechtsgenossen opfern cdem karischen, d. h. nicht einmal einem hellenischen, Zeus' — solche maliciöse Wappenkundige leiteten den Stammbaum der Butypoi zurück auf einen ausländischen Gutspächter (ysMqyovvca Z. 427) Sopatros, der erst in schlimmer Bedrängniss des Staates sich das Bürgerrecht erzwang. Und für diese Sopatros-Version entschied sich Theophrastos, weil sie ihm Gelegenheit bot, den Abscheu früherer Zeitalter vor der Tödtung nützlicher Thiere eindringlicher zu schildern, als es die Diomos-Version gestattet hätte, welche den Stier zur Strafe für die gefrässige Vernichtung des Getreideopfers von dem bereits fungirenden Priester unter dem