Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1866
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 119)
- Language
- German
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117 hoben, dass an denselben Orten, wo durch die sorgfaltigsten, auf Auge und Ohr wirkenden Mittel, durch Abgrenzung des Opferbezirks und durch Heroldsruf, der Blutschuldige von der heiligen Handlung fern gehalten wird, diese heilige Handlung selbst in der Besprengung des Altars mit Menschenblut besteht (Z. 387—390). Dass der Stich auf Athen zielt, musste jeder griechische Leser merken, dem der attische Cult der Tauropolien bekannt war. An diesem Fest der taurischen Artemis, deren Dienst ausser in Halae, einem Gau an der südöstlichen Küste Attika's, auch noch in der alten Zwölfstadt Brauron und auf der Burg von Athen seine Stätte hatte, ward, nach Beseitigung des ursprünglichen Menschenopfers (s. oben S. 57), die stellvertretende Ceremonie vollzogen, deren Einsetzung Euripides am Schluss seiner Iphigenia in Taurien*) auf Gebot der Athene geschehen lässt; einem Manne ward am Halse die Haut mit einem Schwerdte geritzt, so dass Blut genug floss, um den Altar damit zu netzen. Der Grund nun, weshalb Theophrastos den Namen Athens lieber von seinen Lesern ergänzen lassen als ausdrücklich hinschreiben wollte, bietet sich leicht dar bei Erwägung seiner persönlichen Stellung und der damaligen Zeitverhältnisse. Theophrastos lebte in Athen als Metöke: durch Theor 3 . phrastos seine Beziehungen zu den makedonischen Königen musste er so Ste2L^in sehr wie sein Lehrer Aristoteles den Argwohn der Patriotenpartei erregen; bei dem zeitweiligen Erstarken dieser Partei hatte Aristoteles sich in die makedonische Festung Chalkis zurückgezogen; und nicht lange darauf sah auch Theophrastos sich genöthigt, Athen auf einige Zeit zu verlassen, als ein von Demosthenes' Neffen Demochares vorgeschobener und unterstützter Sophokles einen Volksbeschluss gegen die Philosophenschulen überhaupt durchsetzte, welcher vorzüglich auf die makedonisch gesinnten Peripatetiker gemünzt war. Unter solchen Umständen musste Theophrastos allzu offenen Tadel attischer Religionsgebräuche vermeiden, wenn er den Sykophanten die auch in Athen geübte Taktik, politische Zwecke durch Ketzerverfolgungen zu fördern, nicht über Gebühr erleichtern wollte; und noch begreiflicher würde seine Vorsicht werden, wenn die Abfassung unserer Schrift Ueber Frömmigkeit, zu deren *) v. 1458: otav eoQzugr] Isag, 7% 6r\g 6q>ayrtg anoiv' (als Entgelt für deine, der Iphigenia, unterbliebene Opferung) kitia%sxa> £iyog ^£qt] ngog uvS^og affia t' tgavisreo 'Oaiag ixccvi, &sü ■9'' oncog xi^ag h'xj].