Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1866
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 118)
- Language
- German
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116 Meopfehren' gehalten hat, werden von anderer Seite her und zum Theil auf verstecktere Weise einige griechische Localculte in den folgenden Sätzen (Z. 377—410) angegriffen, welche sich zunächst mit dem Ursprung der Menschenopfer beschäftigen; ein in Zeiten äusserster Noth eingerissener Kannibalismus, heisst es (Z. 380), habe sie hervorgerufen, da man auch von solch entsetzlicher Nahrung so gut wie von der früheren unschuldigen Pflanzenkost den Göttern, gemäss der einmal eingeführten Sitte, glaubte Erstlingsgaben weihen zu müssen; und von jenen ursprünglichen Nothopfern aus habe sich der grässliche Brauch so fest eingebürgert, dass er auf griechischem wie auf nichtgriechischem Boden cbis auf den heutigen Tag (H£%qt zvv vvv Z. 385)3 theils ungemildert fortbestehe, theils deutliche Spuren im Ritus zurückgelassen habe. Aus. der nichtgriechischen Welt genügt dem Theophrastos das Beispiel der Karthager, die ihrem El (Kqovog Z. 386; vgl. Rh. Mus. 19, 632) nicht in verstohlener Weise, sondern von Staatswegen und unter Theilnahme aller Bürger (xoivfi nävzsqj Menschen schlachten. Dieselbe Nebenbestimmung einer ungescheuten Oeffentlichkeit und allgemeinen Betheiligung will nach der unzweideutigen Construction des Satzes Theöphrastos ausgedehnt wissen auf das Menschenopfer, welches im Mittelpunkte Griechenlands von den Arkadern dem lykäischen Zeus gebracht wurde; und wenn Pausanias, der von der Fortdauer des lykäischen Opfers auch noch zu seiner Zeit redet, es cim Geheimen (sv a7toQQ7]T(;) 8, 38, 5)3 verrichten lässt, so hat man dies wohl nicht als einen abweichenden Bericht über die ursprüngliche Form der grausigen Feier, sondern als einen Erfolg der römischen Polizei39) anzusehen, welche seit dem Beginn der Kaiserherrschaft die Menschenopfer im Umkreis des Reichs zu unterdrücken suchte und. eben zu Pausanias' Zeit unter Hadrian's Regierung dem Ziele nahe gekommen war (s. oben S. 29). Je bestimmter nun Theophrastos die ausdrücklich genannten Arkader des eigentlichen noch zu seiner Zeit fortgesetzten Menschenopfers am Lykäenfest bezichtigt, desto befremdender ist auf den ersten Blick die Zurückhaltung, mit der er in demselben Satz von den blos symbolisch ritualen Spuren vormals üblicher Menschenopfer redet; weder die Feste, an denen der so schlimme Erinnerungen weckende Ritus begangen wird, noch das Volk, welches ihn begebt, sind genannt; sondern es ist nur in einer spitzen Wendung der Widerspruch hervorge-