Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1866
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 115)
- Language
- German
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113 sich das Verhältniss bei den Juden. Das jeden Morgen und jeden Nachmittag dargebrachte Gemeindeopfer, welches den täglichen» Tempeldienst eröffnete und beschloss und auch durch die feierlichsten ausserordentlichen Festopfer nicht verdrängt wurde, war in der That ein Ganzopfer; von seiner ununterbrochenen Stetigkeit hiess es das Immerwährende (Tfcn svötXsxt^uogJ;3 wie aus dem Buche Daniel (8, 11), aus dem ersten Makkabäerbuche (1, 47) und aus Josephus*) zu ersehen ist, erregte die zeitweilige Einstellung dieses cimmerwährenden3 Opfers während Antiochos' Beherrschung und Titus' Belagerung von Jerusalem als bedrohlichstes Zeichen der gefährdeten Nationalexistenz ,den tiefen Schmerz des Volkes. Von dem so hochgehaltenen und so regelmässigen Opfer ward einem Fremden, der sich nach dem jüdischen Tempelritus erkundigte, gewiss zuerst und am meisten erzählt-, vorschnelle Verallgemeinerung ihrer Beobachtungen in fremden Ländern ist zu allen Zeiten der Erbfehler der Reisenden gewesen; wenn der griechische Schiffspatron oder der Hoplite und der Philosoph im Gefolge Alexander's erfuhr, dass die Juden jeden Morgen und jeden Nachmittag ein Ganzopfer darbrachten, so fasste er die ihm auffällige Thatsache ins Gedächtniss, ohne viel zu forschen, ob von anderen weniger regelmässigen Opfern nicht vielleicht das Fleisch genossen ward; und so bekam Theophrastos Gelegenheit, die Enthaltsamkeit der Juden der bei den griechischen Opfern herrschenden Genussucht als Muster vorzuhalten. — Durch eine solche Annahme, dass der theophrastischen Schilderung das tägliche Ganzopfer in falscher Verallgemeinerung zn Grunde liegt, klärt sich nun auch die fernere Angabe auf, nach welcher die opfernden Juden nicht blos des Opferfleisches, sondern jeglicher Nahrung sich sollen enthalten haben, die Opfertage, zu Fasttagen (vntnsvov- ■tsg Z. 367) geworden seien. Denn mit dem täglichen Opfer war allerdings eine Fastenvorschrift zwar nicht für das gesammte Volk, aber doch für eine beträchtliche Anzahl von Personen verknüpft. Die einschlagenden Bestimmungen sind in den ältesten Urkunden der jüdischen Tradition, der Mischnah (dtvTSQoiaig) und der Beraitah *) bellum 6, 2, 1: &EE7tu6TO (Titus) £%" £y.sivr}g xrjg ruisQag, üavsiLOv 5' i\v istxayiai- Ssyiavri, xöv £vdele%iG[Ldv ■nakov^.Bvov av8qäv ccnogioc diecXsloiitsvai rc3 &em xcu xov drjfiov tnl Tovxcp dstväg ä&v[isiv. 8