Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1866
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 114)
- Language
- German
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112 Missverständnisse ohne jeglichen Anhalt im wirklichen jüdischen Ritus dasteht. Denn es ist rein aus der Luft gegriffen, dass die Juden, wie Z. 365 zu lesen ist, ""Honig* über die zu verbrennenden Opferstücke gegossen hätten. Das Verbot im Leviticus (2, 11): 'Nichts von Sauerteig oder Honig sollt ihr dem Ewigen zum Feueropfer anzünden,3 erfährt -weder in der Bibel noch in der jüdischen Tradition die mindeste Einschränkung, und auch nicht die leiseste Spur ist zu entdecken, dass es je während des ersten Tempels, geschweige während des zweiten zu Theophrastos' Zeit, wäre übertreten worden. Vielleicht wollte Theophrastos, da er einmal den jüdischen Opferritus als einen besseren dem griechischen gegenüberstellte, der Weinspende, deren Vorkommen bei den Juden man ihm wahrheitsgetreu berichtet hatte, die von ihm wegen ihrer Einfachheit bevorzugte (s. oben S. 79, Zi 271) Honigspende wenigstens zur Begleitung geben. — Alle übrigen Angaben sind zwar durch einseitige und schiefe Auffassung mehr oder minder getrübt, aber so haltlos ersonnen wie das Trankopfer aus Honig ist weiter keine. Allerdings bedarf es nur der dürftigsten Bekanntschaft mit der Bibel um Theophrastos' Behauptung (Z. 364), die Juden hätten gar kein Opferfleisch gegessen, in ihrer Grundlosigkeit zu erkennen-, jeder Leser des Leviticus weiss, dass von den meisten Opferarten nach Darbringung des Altarantheils das Uebrige den Priestern oder den Veranstaltern des Opfers zum Genuss überwiesen ward, freilich mit örtlichen und zeitlichen Beschränkungen, die von der Ungebundenheit griechischer Opfersclnnäuse scharf genug abstachen. Aber trotz der handgreiflichen Unrichtigkeit lässt sich doch der Weg entdecken, auf welchem Theophrastos und seine Berichterstatter in die Irre geriethen. Bei den Griechen der nachmythischen Zeit tritt das Ganz- oder Brandopfer, von dem Nichts genossen wurde (oXoxavTw^a, &vaia aysvaioc), gänzlich in den Hintergrund; seine für die Religionsentwickelung bedeutsame Zurückdrängung wird in der Sage (Hesiod Theog. 535) durch die List des Prometheus bezeichnet, der den Zorn des Zeus dadurch erregt^ dass er zuerst die Götter mit den fettumwickelten Knochen abfindet-, in der geschichtlichen Zeit wurden nur die auf besonderen Feuerstätten dargebrachten Todtenopfer (ivayianaxa) und die Eidopfer menschlichem Genuss entzogen; dem gewöhnlichen. Tempelopfer war der Schmaus wesentlich. Anders stellt