Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1866-01-01 · 1866 · page 113

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1866
Date
1866-01-01
Page
– (sequence 113)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
85% known words query
IRI
…/2720904-2720933-2720934--0729-2721971
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

111 nun Alles, was die reisenden Kaufleute, die heimkehrenden Krieger Alexander's und auch dessen philosophische, der semitischen Sprachen sicherlich unkundige, Begleiter dem Theophrastos von den Juden erzählen konnten, mit den Mängeln der UnVollständigkeit und des Missverstandes behaftet sein musste, so war es doch frei von dem schwereren Gebrechen absichtlicher und feindseliger Entstellung, welches die späteren griechischen wie römischen Darstellungen jüdischer Dinge, mit fast alleiniger Ausnahme der von dem Stoiker Strabon gelieferten, zu verunstalten pflegt. Vielmehr fasste Theophrastos offenbar eine günstige Meinung von der 'Philosophie1 der Juden; und wenn man mit Klearchos' Worten*) cdie Philosophen heissen bei den Indern Kalauer, bei den Syrern Judäer* die Art zusammenhält wie Theophrastos einerseits die Judäer als Abtheilung der Syrer (2vqcov *IovdaToi Z. 361), andererseits den ganzen judäischen Stamm als einen philosophischen (axs <piX6ao(poi to y4vo<; ovreg Z. 369) bezeichnet, so erkennt man, dass in den peripatetischen Kreisen sich der Glaube festgesetzt hatte, die Juden seien die gelehrte und priesterliche Kaste der Syrer, wie die Brahmanen es bei den Indern sind. Aus diesem ethnologischen Grundirrthum fliesst nun die ätiologische Hypothese, nach welcher sich Theophrastos Alles zurechtlegt, was ihm von dem jüdischen Opferritus zu Ohren kam. Verglichen mit der fröhlichen Lust griechischer Opferfeste und Opferschmäuse machte es ihm den Eindruck düsterer Strenge-, und da er bei den nächsten Nachbaren der Juden, den phönikischen Syrern so gut wie bei deren Abkömmlingen, den Karthagern (Z. 386), das Menschenopfer noch zu seiner Zeit in. ungeschwächter Uebung fortbestehen fand, so dachte er sich, die übrigen Stämme der grossen syrischen Nation haben in Folge eines ursprünglichen Nothopfers dauernd sich dem Menschenopfer ergeben, die philosophische Kaste aber, die Juden, enthalte sich zwar des Menschenopfers, habe jedoch zur Erinnerung an dasselbe (öia ttjv s£ otQxys &v<siav Z. 361) aus dem Ceremoniell des stellvertretenden Thieropfers jede Fröhlichkeit verbannt. Von solchen allgemeinen Voraussetzungen werden nun alle einzelnen Angaben gefärbt, unter denen jedoch Eine auch bei Annahme der ärgsten *) bei Josephus contra Apionem 1, 22; p. 20.1, 12 Bek.: xaXovvtai ds, cog cpaaiv, oi cpikoaotpoi naget [xsv 'lv8olg KaXavol, itaga. 8s Svgoig 'Iov8cciot, zowopu Xußövzeg ano zov xonov itQ06uyogsv£xtii yag ov mxtoixovgi xoitov 'IovSata.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.