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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1866-01-01 · 1866 · page 109

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1866
Date
1866-01-01
Page
– (sequence 109)
Language
German
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IRI
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107 bewusstsein noch im öffentlichen Cultus eine den älteren Opfern ebenbürtige Stellung einnahmen und nicht zur Gottes Verehrung gerechnet wurden. Seit ihrem Aufkommen im nachepischen Zeitalter sind die Sühnungsceremonien als ein gleichsam magisches Heilmittel für das geängstete Sündergemüth von den einzelnen Schuldigen und in Zeiten grosser Bedrängniss auch von ganzen Stadtgemeinden gewiss mit gleicher Sorgfalt und Inbrunst wie die altherkömmlichenCultusformen begangen worden; aber die heilende Rückwirkung auf den Menschen blieb das Wesentliche; die orphischen Wanderpriester, die wirksamsten Verbreiter der Sühngebräuche, erregten Piatons*) Entrüstung eben durch dieses Vorgeben, edie Sünden mit Opfern zu heilen;3 und so lange der hellenische Geist sich nicht gänzlich entfremdet war, also auch noch zu Theophrastos' Zeit, unterschied man streng zwischen solchen Heilungen des seelenkranken Menschen und den Religionshandlungen, mit welchen der Fromme in heiterem Vertrauen sich der Gottheit naht zu Verehrung, Dank oder Bitte; die Sühnopfer gehörten nicht zum Gottesdienst, also auch nicht zur cFrömmigkeit3 im eigentlichen Sinn; und da Theophrastos, dem Thema seiner Schrift gemäss, die Opfer nur in Bezug auf die evGsßsia erörtert, so lässt er die Sühnopfer zur Seite liegen. Die angeführten Gründe aber für die Unbrauchbarkeit der Thiere zu den drei Hauptarten der eigentlichen Cultusopfer hält Theophrastos für so einleuchtend und unwiderleglich, dass die Vernunft auch der Nichtphilosophen, wäre sie unbestochen, sich ihnen fügen würde. Jedoch die Genusssucht besticht in dieser Frage die Vernunft, löscht die Wahrheit aus (ib äXTj&^g egaXeitpsiv xtI. Z. 340)3 und, um den Fleischgenuss mit einer höheren Sanction zu bekleiden, will man an den einmal bestehenden Thieropfern auch wider bessere Einsicht cfesthalten (sf.i(ji€vo^sv Z. 360)/ Wohlgemerkt, Theophrastos ist weit entfernt, auf solchem culinarischen Wege den Ursprung der Thieropfer erklären zu wollen; für den kennt er, wie sich bald darauf (Z. 390) ergiebt, ganz andere Anlässe; nur um die Kraft des Widerstandes gegen die *) Rep. 2, 364b: dyvQvat ös v.ui y.ävt£tg iiti nlovalcov &VQas Covreg itei&ovoiv mg sau naget aq>iaiv Swctpig____Qvaiuig rs xcti tTzadatg ehe ri udUr^ia xov yiyovsv avrov tj TtQoyovav äxsiaQ'ai____ ßißXmv de opuSov Tccigexovrai Movßaiov ■mal 'Oqtpkmg raX.

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