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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1866-01-01 · 1866 · page 108

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1866
Date
1866-01-01
Page
– (sequence 108)
Language
German
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IRI
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106 dass er, um das biblische Sühnopfer in der peripatetischen Classification unterzubringen, Theophrastos' xccxwv anox^onii (Z. 318) zu einer Befreiung von dem sittlichen cUeber der Sündenschuld umdeutete; dem Ausleger des Theophrastos hingegen, welcher in seiner Aufzählung die griechischen Sühnopfer vermisst, ist es keineswegs verstattet, dieselben durch eine solche Hinterthür hereinzuschieben. Denn hätte Theophrastos eine so eigentümliche Opferart berücksichtigen wollen, so würde er sie wohl nicht unter umschreibenden Worten versteckt, sondern neben den Opfern diu xi^v^ Siä yocQiv, Sia iqeiav (Z. 315) ausdrücklich Opfer Siä Xvaiv xccl xd- &ag<nv genannt haben. Ferner zeigt die Wörterwahl wie die Wortverbindung in dem Satzgliede xaxav f.Uv unozQOTtTiv, ayad-oiv Sä naqaax£VJ\v ijfiiv ysvsc&ai ^rovr-csg (Z. 318), dass es sich bei xaxcov anoTQonij weder um die Befreiung von dem Schuldgefühl handelt — denn alsdann wäre anorgonilj (aoerruncatio), welches c Ab Wendung3 eines von Aussen kommenden Unheils bezeichnet, nicht das passende Wort - noch auch sich handelt um die Abwendung der auf die Sünde gesetzten Strafe — denn alsdann müsste der Sünder mit der Straflosigkeit zufrieden sein und könnte nicht ausserdem noch neues cGutes3 durch das Opfer erlangen wollen. Vielmehr setzt die Verbindung durch fisv und de es ausser Zweifel, dass unter xaxtiv anoTQonri die Abwendung der den Menschen überhaupt, den frommen wie den sündhaften, drohenden Gefahren, also die Erhaltung des vorhandenen Guten und unter ayution' naqaaxsvii die Erwerbung des nicht vorhandenen gemeint ist. Demgemäss lässt auch Theophrastos weiterhin, wo er die Untauglichkeit der Thiere zum Nützlichkeitsopfer erweisen will (Z. 330), die xaxoiv uTtoiQowii unerwähnt und spricht nur im Allgemeinen von ygsia xivog twv äya- &aiv. eben weil die xaxoiv anorgoTti] auch nur ein indirectes ayadov, den Schutz des vorhandenen Guten, bezeichnen soll. Es muss also dabei sein Bewenden haben, dass die Sühnopfer in der Classification fehlen; und da sie im griechischen Leben eine zu wichtige Rolle spielen, als dass Theophrastos sie blos vergessen haben sollte, so wird der Grund für ihre absichtliche Auslassung wohl darin zu suchen sein, dass Theophrastos bei seiner. Eintheilung von der Götterverehrung (xifiwfisv xovg &sovg Z. 317) ausgeht, die Sühnopfer aber, wie sie ja nach Ausweis der griechischen Religionsgeschichte die jüngsten sind, auch zu Theophrastos' Zeit weder im Volks-

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