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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1866-01-01 · 1866 · page 106

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1866
Date
1866-01-01
Page
– (sequence 106)
Language
German
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104 welches allen lebenden Wesen auf das Leben zustellt, der Dankespflicht für die göttlichen, bereits empfangenen Wohlthaten entledigen können (Z. 327—332). Sollen endlich neue positive oder negative Gnadenerweisungen durch die Darbringungen erbeten werden, so muss auch für solche eigennützige Absicht das Thieropfer als ein unzweckmässiges Mittel erscheinen; denn Wohlthäter, die erst durch Geschenke gewonnen werden müssen, wollen auch des Dankes für die zu gewährenden Wohlthaten durch den Charakter des Bittenden im Voraus versichert sein, und wenn dieser während der Bitte sich einer Ungerechtigkeit schuldig macht, wird er auch des Undanks fähig erscheinen (Z. 332—335). Lehrreicher und anziehender als die für den modernen Geschmack zu lang gesponnenen trilemmatischen Folgerungen ist der Ausgangspunkt derselben, die Classification der Opfer selbst, wohl der erste vollständigere Versuch dieser Art, welchen die erhaltene klassische Litteratur darbietet. Theoretisch ist er nur in so fern, als er die im gewöhnlichen Volksbewusstsein herrschenden mannigfaltigen Empfindungen unter begriffliche Rubriken zu bringen unternimmt; aber wenig Kenntniss von der peripatetischen Gotteslehre würde verrathen, wer diese Classification für ein Ergebniss von Theophrastos' Theorie in dem Sinne halten wollte, dass der Schüler des Aristoteles alle hier aufgezählten Anlässe des Opferns von seinem philosophischen Standpunkt aus gebilligt hätte. Denn, obgleich die Peripatetiker, da sie ja in theologischen Dingen leise aufzutreten lieben, nie so offen und mit so begeistertem Ingrimm, wie es Piaton im zehnten Buch der Gesetze35) wagt, die Meinung, dass cdie Götter durch Opfer und Gebete zu bewegen seien/ als die schlimmste Form der Gottlosigkeit bekämpft haben mögen, so braucht man sich doch nur die Stellung der unbewegten Gottheit in der peripatetischen Metaphysik zu vergegenwärtigen, um gewiss zu werden, dass Aristoteles und Theophrastos jeden Versuch auf die göttlichen Beschlüsse einzuwirken und aus dem Opfer äusseren Nutzen zu ziehen, als eine Ausgeburt kindischer cLohnsuchtJ mit gleicher Verachtung betrachtet haben, wie es je Kant in seinen strengsten Augenblicken thun mochte. Eine Classification also, welche neben den Verehrungs- und Dankopfern auch den Nützlichkeitsopfern (Z. 318) eine Stelle anweist, kann in Theophrastos' Munde keine philosophisch-theoretische, sondern nur eine rubri-

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