Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1866
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 102)
- Language
- German
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100 bei Abfassung des Einen Abschnittes seines dritten Buches zugleich aus der theophrastischen Schrift Ueber Klugheit der Thiere und aus der anderen Ueber Frömmigkeit geschöpft haben — zwei Fälle, die zwar beide durchaus nicht unmöglich sind, von denen aber der erstere eben so wenig zu dem litterarischen Bilde stimmt, das wir von Theophrastos fassen müssen, wie der andere zu der Gemächlichkeit, die den Compilatoren überhaupt und dem Porphyrios insbesondere eigen zu sein pflegt. Unter der Voraussetzung hingegen, dass der Versuch eines dialektischen Beweises für die Verwandtschaft zwischen Menschen und Thieren in der Schrift über Frömmigkeit zur Unterstützung des empedokleischen Citats unternommen war, wird Porphyrios' Verfahren sehr begreiflich. Es stellt sich alsdann heraus, dass er im ganzen Verlauf seines Werkes nur die Eine theophrastisehe Schrift Ueber Frömmigkeit ausgebeutet, aber die Excerpte aus derselben auf die verschiedenen Rubriken seines Thema's vertheilt hat. Im zweiten Buch, wo es ihm nur um Verwerfung des Thieropfers zu thun war, musste ihm Theophrastos' Uebereinstimmung mit Empedokles' .Eifern gegen Tödtung der Thiere ausreichend und die dialektische Beweisführung für ihre Verwandtschaft mit den Menschen allzu weitläufig erscheinen; er überging sie daher dort, versparte sie für sein drittes Buch, zu dessen eigentlichem Gegenstande, der Erörterung des Rechtsverhältnisses zwischen Menschen und Thieren (s. oben S. 17), sie in so naher Beziehung steht, und an die Argumentation selbst, welche er wörtlich aus Theophrastos abschrieb, fügte er zum Behuf der Ueberleitung den Inhalt der nächstfolgenden bereits iift zweiten Buch mitgetheilten theophrastischen Sätze über den Unterschied zwischen zahmen und wilden Thieren, nicht mehr wörtlich treu, aber ohne die Augen von seiner Vorlage zu wenden. Nachdem so das von Porphyrios im dritten Buch aufbewahrte theophrastisehe Bruchstück als Bestandtheil der Schrift Ueber Frömmigkeit erkannt und dadurch in den Bereich unserer Hauptaufgabe getreten ist, ziemt' es sich wohl seinen Gehalt auch nach einer bisher nicht berührten Seite darzulegen und darauf hinzuweisen, wie nachdrücklich in demselben (Z. 9—13) das über Völker- und Racenunterschiede sich erhebende Gefühl einer das gesammte Menschengeschlecht umfassenden Gemeinschaft ausge-