Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1866
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 97)
- Language
- German
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95 Nachricht von der feierlichen Wasserspende zu Jerusalem am Laubhüttenfeste zugekommen sei; und mit wie gewinnendem Schein endlich die Vermuthung auftreten33) mag, dass die am letzten Tage der eleusinischen Mysterienfeier nach Ost und West unter mystischen Gebeten ausgegossenen irdenen Gefässe (nlinio'/ßai) nur Wasser enthalten haben, so wenig lässt sich doch die Vermuthung durch Zeugnisse zur Gewissheit erheben. Bis etwa inschriftliche Entdeckungen auch über diesen dunkeln Punkt der griechischen Ritualien aufklären, wird man dem Theophrastos aufs Wort glauben und voraussetzen müssen, dass er für die frühere Anwendung reiner Wasserspende eben so zuverlässige specielle Belege beibrachte, wie er der aufgestellten Stufenfolge der übrigen Spenden die erreichbar sicherste Gewähr verliehen hat durch die Berufung auf die Kyrbeis (Z. 274, vgl. oben S. 37). — Eine so unantastbare Autorität nun, wie sie jenen ältesten Urkunden des athenischen inschriftlichen Archivs einwohnt, hat für Theophrastos' historischen Sinn, der in Aristoteles' Schule und unter eigenen Forschungen geschärft war, gewiss nicht erst der Unterstützung durch einen philosophischen Dichter wie Empedokles bedurft-, wenn er dennoch neben den Kyrbeis auch den Versen des Agrigentiners einen Platz gönnt, so war es damit wohl weniger abgesehen auf die beiläufige Erwähnung" der Honigspende im vorletzten Verse als auf dierKönigin Kypris* im dritten; denn diese Personifikation der das Weltall einenden Liebe bot ihm einen bequemen Anhalt für die Entwickelung seiner eigenen Lehre von einem das gesammte Reich der lebendigen Wesen umschlingenden Bande der Verwandtschaft. Sobald er daher in dem Citat zur cKyprisa gelangt ist, unterbricht er, sogar auf Kosten der uns nun leider entzogenen zweiten Vershälfte, die Dichterworte mit der erläuternden Bemerkung, dass unter Kypris nicht die Aphrodite der gewöhnlichen Mythologie, sondern das empedokleische Princip der Philia gemeint sei saziv q (pilia Z. 281) — eine Erläuterung, die der neueste Herausgeber*) wohl nur in einem unbewachten Augenblick als späteres Glossem verdächtigen konnte. In ihr liegt vielmehr der unentbehrliche Anknüpfungspunkt für die ganze folgende Gedankenreihe des Theophrastos; sie stimmt ferner, eben so sehr wie der nach dem *) Nauck p. XX V: j] — cpdia verba suspecta.