Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1866
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 78)
- Language
- German
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76 Gleichklang, dessen deutsche Nachbildung einer treuen Uebersetzung versagt ist, die Gesinnung der Opfernden — to twv &vovtmv fi&og (Z. 181) — und die Menge des Geopferten — 16 rav xh)o{xsvwv nXrjfrog — einander gegenüber, um zunächst die Reinheit der Gesinnung als das Eine, was noththut, zu erweisen. Auch hier findet die Argumentation (Z. 251—256) ihren Ausgangspunkt in den gangbaren Vorstellungen und in der hellenischen, schon von Homer (Odyssee 2, 261- 4, 750) bezeugten Sitte, welche als unerlässliche Vorbereitung zu jedem Gebet und Opfer Waschungen und Feierkleider verlangte-, und dass der Schluss von der unbezweifelten Wichtigkeit der körperlichen Reinheit auf die noch wesentlichere, weil das Göttliche im Menschen betreifende, Reinheit der Gesinnung auch ausserhalb der Philosophenschulen anerrg»eainkannt sei, beglaubigt Thepphrastos durch die epidaurische Tempelschrift. Inschrift (Z. 259), die den edelsten Blüthen griechischer Gnomik verdientermaassen zugezählt wird. Wie wenig Anlässe auch der hellenische Gottesdienst zu lauter dogmatischer Predigt darbot, so mochte doch ein für die Macht des Worts so empfängliches Volk wie das hellenische nicht gänzlich die erweckliche Wirkung missen, welche ein körnichter Wahrspruch auf das andächtig erregte Gemüth an heiliger Stätte ausübt; man schuf sich gleichsam eine stille, monumentale Predigt in den kurzen Inschriften des gediegensten ethischen und religiösen Inhalts, mit welchen man die Vorhöfe der Tempel zierte. Je geistiger das Wesen der verehrten Gottheit, desto gewichtigere Wahrheiten begrüssten den eintretenden Frommen an der Tempelschwelle; die Kernworte, welche als Inschriften im delphischen Apollotempel die Frucht der frühesten und den Keim der spätesten griechischen Weisheit enthielten, treffen Geist und Gemüth auch der nachhellenischen Menschheit mit unvergänglicher Kraft; und nicht allzu weit bleibt hinter der Hoheit des apollinischen Mahnrufs Erkenne dich selbst3 die Lehre zurück, welche, Apollon's Sohn Asklepios zu Epidauros seinen Verehrern über die wahre Reinheit und Heiligkeit gab. Allmählich hatte sich Asklepios im griechischen Glauben aus seiner ursprünglichen Stellung eines nur leibliche Gesundheit schaffenden Heros zu der Würde eines höchsten Gottes, eines Spenders allseitigen geistigen wie leiblichen Heils /äonriQ) emporgehoben; zu Theophrastos' Zeit war die Umbildung wo nicht bereits beendet, doch in vollem Gange; und wohl