Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1866
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 74)
- Language
- German
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72 Aeschyios. eine (Z. 232—237) zeigt den Aesehylos bei allem Bewusstsein von seiner Dichiergewait, die sich auch hier in einem treffenden Gleichniss äussert, doch von der Ueberzeugung durchdrungen, dass auf dem Gebiete des religiösen Cultus der Zauber neuer Kunst von der "Weihe der alten Einfalt besiegt werden müsse-, er wagt es nicht einen Päan zu dichten, weil sein modernes Werk nimmermehr die Gemüther der Andächtigen so bewegen werde wie der alte Gesang des Tynnichos, jenes Chalkidensers, der sonst nur aus Platon's Ion (p. 534d) bekannt ist, als ein Dichter, von welchem der Nachwelt nichts im Gedächtniss geblieben, ausser cdem Päan, den alle Welt singt, das schönste aller Lieder, ein Musenfund, wie es mit Recht sich selbst nennt.* — Nicht so auserlesen wie das Apophthegma des grossen Tragikers, obwohl immer noch des Etmsker. Dankes werth ist die Erzählung von den Etruskern (Z. 210—216), deren Verkehr mit Delphi zwar sonst hinlänglich, jedoch nicht so reichlich30) bezeugt ist, dass man nicht jeden neu hinzukommenden Beleg gern verzeichnete. Der vorliegende kommt aber neu hinzu, weil das handschriftliche Verderbniss xvqävvmv^ durch welches die Stelle den Blicken der Forscher über etruskische und römische Geschichte entzogen war, erst von Meineke zu dem unzweifelhaften Tvqqijvcüv (Z. 210) gebessert wurde, jedoch an einem gelegentlichen Orte (frag. com. 2, 91), wo er den Ertrag der Emendation nach geschichtlicher Seite darzulegen sich nicht aufgefordert fühlte. Sie schafft nicht blos ein neues Zeugniss über Etruriens Verhältniss . zu Griechenland; ebenso unverkennbar ist die Beziehung auf die zwölf Städte, aus welchen der etruskische Bund bestand; denn nur ein Wetteifer unter diesen zwölf Stadtgemeinden bei Ausrichtug eines in punischer Kriegsnoth gelobten Opfers kann mit den Worten gemeint sein, cdie Tyrrhener hätten prächtige Hekatomben in grossem Wetteifer gegen einander (xarcc noXk^v eqiv ttjv tiqoc aXlrjlovg Z. 211) dargebracht-/ und die an den. Gott gerichtete Frage, wessen Opfer ihm am wohlgefälligsten gewesen, hatte nicht einen allgemeinen, sondern den speciellen, mit den inneren Wirren des etruskischen Staatenbundes zusammenhängenden Sinn: welcher von den um den politischen Vorrang streitenden Städten der Preis der Frömmigkeit gebühre? Die schlaue Orakelantwort will es mit keinem jener Kleinstaaten verderben und erklärt unerwarteter Weise nicht die Hekatombe einer etruskischen Stadt,