Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1866
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 63)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2720904-2720933-2720934--0679-2721921- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
61 cin Nothzeiten aufgekommene Nahrung, den Menschen wohl nicht Späterhin den Massstab abgeben für das was sie essen sollen, vielmehr da es nur als nachträgliche Folge aus dem Essen und der cWeihgabe entstanden ist, darf es wohl nicht nöthigen als fromm 'dasjenige zuzulassen, was man in nicht frommer Weise den Götctern darbrachte/ — Nach Ausscheidung dieser nachweislich nicht theophrastischen Theile bleiben in dem gesammten Stück nur zwei Sätzchen zurück, deren thatsächlicher Kern möglicherweise aus der Leetüre des Theophrastos in Porphyrios' Gedächtniss haften blieb; jedenfalls stammt er aus alter Quelle. Es sind zwei attische Opfergeschichten, von denen die eine keinen Anhalt in unserer sonstigen Ueberlieferung findet-, sie lässt die erste Tödtung des Schweines, dessen Wahl zum ersten Opferthier gewöhnlich'29) aus seiner Schädigung der Saaten erklärt wird, durch cunvorsätzlichen Wurf3 (Z. 89) eines nicht näher bezeichneten Weibes Klymene erfolgen. Leichter ist die andere Opferlegende mit sonst Bekanntem zu verknüpfen-, in dem attischen Gau Ikaria oder, wie die hier Z. 98 gebrauchte seltenere Namensform lautet, Ikarios, soll cdie erste Ziege geschlachtet sein, weil sie eine Rebe benagte.3 Jenen Gau der ägeischen Phyle nun schildern als attischen Stammsitz des Dionysoscultus die mannigfaltigsten Sagen, in denen der eponyme Heros Ikarios, der Vater der Erigone, als Gastfreund des Dionysos und sein erster Schüler im Weinbau auftritt; Thespis, der Erfinder des tragischen Dionysosspieles, ist ein Sohn dieses Gaues; und zu solcher dionysischen Bedeutung der Oertlichkeit stimmt es denn, dass dorthin die erste Opferung des den Reben gefährlichsten Thieres verlegt wird. Aus welchem Autor jedoch diese zwei singulären Angaben dem Porphyrios bekannt geworden seien, die kurzen Worte, in denen er sie mittheilt, tragen so wenig wie die sie umgebenden Sätze einen fremden Stempel, und können das Urtheil über die gesammte von Z. 85 bis Z. 118 sich erstreckende Partie nicht ändern, welches dahin ausfallen muss, dass Porphyrios sie weder wörtlich noch auszugsweise einer bestimmten Quelle entlehnt, sondern selbstständig abgefasst hat. Seine abschreibende und excerpirende Thätigkeit beginnt erst wieder mit den auf Z. 118 folgenden Abschnitt, der eben deshalb auch mit einer abermaligen Nennung von Theophrastos' Namen versehen ist. Der einleitende Satz lautet: fBei dieser Lage der Sache kann man es nur billigen,