Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1866
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 54)
- Language
- German
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52 den einheitlichen Gesichtspunkt für die Fülle von Einzelbemerkungen jener aristotelischen Werke, wie er einen der fruchtbarsten Grundgedanken der modernen culturgeschichtlichen Forschung ausspricht. Der Sorgfalt, mit der ihn Theophrastos auf die Geschichte der Opfer anwendet, verdanken wir eine Anzahl auserlesener, meistens nur hier zu findender Mittheilungen, z. B. die Liste der Gegenstände, welche an den höchsten apollinischen Festen, den Thargelien und Pyanepsien, in Athen zü Ehren des Apollon als Sonnengottes und der Hören als Zeitigerinnen der Feldfrüchte in feierlichem Aufzuge einher getragen wurden (Z. 48—52). Die Abwesenheit aller blutigen Opfer und sogar des Räucherwerks, sowie die von Gräsern und Kräutern zu Getreide und dann zu künstlichem Backwerk aufsteigende Reihe wird von Theophrastos angesehen als eine rituale Bewährung seiner Aufstellungen über die Ursprünglichkeit der Pflanzenopfer und deren allmählichen Uebergang in Mehlopfer. — Durchaus vereinzelt steht die Nachricht (Z. 33—35) von einer den Müllergeräthen gezollten Verehrung. Dabei darf man schwerlich blos an den Cultus der untergeordneten Mühlengötter denken, welche zuletzt Welcker (Götterlehre 3, 140) besprochen hat; und es empfiehlt sich wohl die Vermuthung, dass Theophrastos vielmehr die Feste und Weihen der höheren cerealischen Gottheiten im Sinne hat, also die Thesmophorien und Eleusinien, bei denen jene Geräthe in ritual bedeutsamer Weise hervortreten mochten-, in der attischen Sage war Demeter die Lehrerin nicht blos des Säens, sondern, nach den griechischen Schriften über Erfindungen, welche Plinius*) benutzt, auch des Malens und Stampfens der Brodfrucht; und auf eleusinischen Brauch passen Theophrastos' Worte, dass man die Geräthe cgeheiin gehalten" habe. — Auch die Angabe über die noch zu Theophrastos' Zeit fortbestehende Anwendung wohlriechender Hölzer (Z. 25} neben oder statt des Weihrauchs, sowie die Notiz, dass die geschrotene Gerste den 'Beschluss* (Z. 38) der Beiopfer bildet, bringen unserer verhältnissmässig dürftigen Kunde von griechischen Opferbräuchen einen trotz seiner Kleinheit nicht zu verschmähenden Zuwachs. — Endlich liegt ein Rückschluss von späteren Sitten auf frühere Zu- *) hist. nai. 7, 191: Ceres frumenta [invenit] cum antea glande vescerentur; eadem molere et conßcere in Attica, ut alii (so statt des handschriftlichen vialia und der Vulgata et alia, vgl, § 197), in Sicilia, ob id dea iudicata.