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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1866-01-01 · 1866 · page 53

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1866
Date
1866-01-01
Page
– (sequence 53)
Language
German
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IRI
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51 jeder Erdkatastrophe wenige Einzelne dem Verderben entkommen liess, so muss er folgerichtig für die höheren Thiergattungen ein Gleiches angenommen haben. Theophrastos hingegen lässt (Z. 10) aus cder Erde3 nach den Bäumen cdie Thiere,3 höhere wie niedere Gattungen, hervorgehen, und macht somit, trotzdem er Menschen nur als Söhne von Menschen kennt, für das gesammte Thierreich nach jeder Erdkatastrophe das Zugeständniss eines Erdenursprungs, d. h. der Urzeugung. Ob Theophrastos durch eigene physiologische Untersuchungen zu dieser Abweichung von seinem Lehrer geführt worden — und in der That wird unter seinen verlorenen Schriften eine einbändige cUeber die von selbst entstehenden Thiere (IIsqI Twv AvxofAanav Zawrv Diog. Laert. 5, 46)3 genannt — oder ob Aristoteles selbst seine Meinung geändert habe, darf für den vorliegenden Zweck unentschieden bleiben; um den theophrastischen Ursprung des Excerpts, neben dem äusseren Zeugniss des Porphyrios, auch noch durch innere Gründe zu sichern, genügt der gelieferte Nachweis, dass das hier entworfene Bild einer beginnenden Civilisation in allen wesentlichen Zügen der echten peripatetischen Theorie gemäss und nur mit ihrer Hilfe zu verstehen ist. Eben so kenntlich wie der Schilderung der ersten Anfange menschlicher Cultur ist der zur Erforschung ihres Verlaufs hier geübten Methode das peripatetische Siegel aufgedrückt. Sie beruht einerseits auf dem gänzlichen, sogar die Polemik verschmähenden Ignoriren des mythologischen Volksglaubens und andererseits auf Ersetzung der für die Urzeit mangelnden geschichtlichen Denkmäler durch die mittelbaren Zeugnisse, welche in der Sprache und den. Gebräuchen vorliegen. Wie sehr auch eine solche Methode als die allein sachgemässe sich von selbst darzubieten scheint, so hat sie doch vor Aristoteles nur der dem Stagiriten geistesverwandte Thukydides in der Einleitung zu seinem Geschichtswerk für einige Gebiete der griechischen Lebensentwickelung befolgt-, zu welch umfassendem Gebrauch Aristoteles sie ausbildete, zeigt sowohl der theoretische wie der urkundliche Theil seiner politischen Schriften, sowohl die acht uns erhaltenen Bücher der Politik wie die zahlreichen Reste der verlorenen Politien; und der von Theophrastos hier (Z. 39—41) bündig formulirte Satz, dass die Menschen durch ihre Bräuche und besonders durch die heiligen Bräuche unbewusste Zeugen für längst vergangene Zeitalter sind, giebt eben so sehr 4*

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