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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1866-01-01 · 1866 · page 48

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1866
Date
1866-01-01
Page
– (sequence 48)
Language
German
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46 Allwesen zu erfassen, aber nicht ihr inneres Leben zu bestimmen vermöge-, oder er mag in so ausweichender Weise antworten, wie es die aristotelische Metaphysik wirklich thut, und die ewige Selbstbeschauung Gottes seine ewige Thätigkeit nennen. Wer hingegen den Menschen, dessen Anlagen und Bedürfnisse wir kennen, von jeher da sein lässt, der muss ihn auch in einer jenen Anlagen und Bedürfnissen gemässen Weise beschäftigt denken; und wie will man dann — fragten die Griechen - mit einer solchen während unendlicher Vergangenheit fortgesetzten Thätigkeit es reimen, dass die für das menschliche Leben unentbehrlichsten und dem menschlichen Geiste nächstliegenden Erfindungen in eine zwar nicht chronologisch genau bestimmte, aber doch durch unverwerfliche Ueberlieferung im Allgemeinen abgegränzte und verhältnissmässig junge Epoche fallen? 'Während hundert Millionen Jahre soll die cMenschheit bestanden haben ohne etwas von dem zu entdecken, cwas erst seit tausend und zweitausend Jahren, also, verglichen mit cder Ewigkeit, seit gestern und vorgestern in der Skulptur einem 'Dädalos, in der Dichtkunst einem Orpheus, in der Rechenkunst ceinem Palamedes, in der Musik einem Marsjas, Olympos, Amphion cund auf anderen Gebieten vielen Anderen offenbar ward?J Mit so lebhaft dialogischer Färbung lässt Piaton in den Gesetzen (3, 677d) den Einwurf vortragen und umgeht dabei behutsam diejenigen Erfindungen, welche der griechische Volksglaube Göttern zuschrieb, also jeder Zeitbestimmung entzog. In schärfer argumentirender Fassung und mit ausdrücklicher Leugnung aller göttlichen Erfindung erscheint dieselbe Gedankenreihe in einem grossen Bruchstück aus Theophrastos, wahrscheinlich aus seinem Ueberblick der 'naturphilosophischen Meinungen (&vaixal Jol-aij.3 Er lässt dort die Gegner der Weltewigkeit neben drei anderen Hauptbeweisen folgenden vierten vorbringen: cWer die natürlichen Dinge naturcgemäss erforschen will, der muss in dem Menschen einen Spätcgeborenen erkennen. Denn es ist eine gegründete oder vielmehr 'unabweisbare Annahme, dass zugleich mit dem Menschen auch die 'Handwerke und Künste als ungefähr gleichaltrige vorhanden waren, 'erstlich weil das zu ihnen führende planmässige Verfahren von 'der Natur eines vernünftigen Wesens unzertrennlich, und dann 'weil ohne sie menschliches Dasein unmöglich ist. Nun wollen wir 'uns einmal nach der Zeit umsehen, in welcher die einzelnen

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