Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1866
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 47)
- Language
- German
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45 in eine bestimmte Epoche fallende Evolution aus früher vorhandenen Stoffen — die sogenannte spontane oder Urzeugung — anzunehmen, geschweige dass er den Begriff einer eigentlichen Schöpfung, nachdem er ihn in seiner kosmologischen Schrift mit der unerbittlichsten Dialektik für das Weltganze verworfen, auf das Entstehen eines Einzelgeschöpfs hätte anwenden sollen. Die Denkbarkeit einer Evolution leugnet er freilich an sich nicht; und im Sinne der älteren Physiker, welche seit Anaximandros sie gelehrt hatten, lässt er sich sogar in der Schrift Ueber die Zeugung der Thiere dazu herbei, die mit seinen eigenen physiologischen Grundsätzen vereinbaren Formen einer solchen Urzeugung der animalischen Wesen zu besprechen. Aber mit sichtlicher Angelegentlichkeit hat er dafür gesorgt, dass auch der flüchtigste Leser nicht ihm selbst diese Meinung aufbürde. Er leitet die Besprechung mit der Clausel*) ein: cWofern die Menschen und Vierfüssler je 'als Erderzeugnisse entstanden sind, wie Einige behaupten, so muss cman sich ihre Entstehung auf eine von folgenden zwei Weisen 'denken* und beschliesst sie mit einer abermaligen noch umfassenderen Clausel: cWofern es für alle lebendige Wesen einen einmaligen Anfang der Entstehung gegeben hat, so muss er vernünfctiger Weise auf eine von diesen beiden Arten gedacht werden/ Da nun durch so unzweideutige Redewendungen die Evolutionstheorie als eine blos zugelassene fremde bezeichnet wird, Schöpfung aber bei Aristoteles gar nicht in Frage kommt, so ergiebt sich, dass seine eigene Ansicht in der allein noch übrigen dritten Möglichkeit zu suchen ist und er dem Menschen als wesentlichem Bestandtheil des Weltalls gleiche Ewigkeit wie diesem beigelegt hat. Dabei musste er denn eine Schwierigkeit zu heben suchen, welche dem Glauben an ein anfangloses Menschengeschlecht nachweislich in den Kreisen der griechischen Philosophie entgegengehalten wurde. Die Frage nämlich, womit das Dasein des ewigen Gottes und einer ewigen Welt sich ausfülle, darf auch der muthigste Philosoph entweder gänzlich ablehnen als unlösbar für den Menschengeist, dessen eingeschränkte Einzelnatur nur die Existenz jener *) de gener. anim. 3, 11; p. 762b 28: it£Qi Trjg tgjv uv&Q<aTiG)v xai tszQcatoStov yevsösag vnolaßot zig av, sfotSQ iyiyvovzo tcozs yrjysvsig, meitSQ tpaai zivsg, dvo tqokchv yivsa&ai zbv etegov. p. 763a 3: ozi (isv ovr, svneQ i\v zig ctQXfl xj\g ysvsaseog näai zolg ^cootg, svXoyov zoiv dvoiv zovzoiv shcci zv\v szsqciv, cpavsQOv.