Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1866
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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20 hervorruft. — An diese philosophische Fiction einer in Unschuld Eicheln geniessenden Menschheit, welche für den Griechen ihr bestätigendes mythologisches Spiegelbild in den Sagen vom goldenen Zeitalter fand, knüpft dann Porphyrios mit etwas kühnem Uebergang einen Abriss von Lykurgos' Gesetzgebung (p. 159, '25 Spartaner. Dis 163, 10). Dieselbe, sagt er, habe zwar den bereits eingerissenen Fleischgenuss nicht gänzlich verbannen wollen, zumal sie nicht für auserwählte Philosophen, sondern für ein gesammtes Volk berechnet war; jedoch äussere sich des Gesetzgebers Absicht, den Fleischgenuss wie alle Art von Ueppigkeit zu erschweren, deutlich in den einzelnen Anordnungen, vorzüglich aber darin, dass er den Bürgern bei der gleichen Vertheilung des Vermögens keinen Viehstand zugewiesen und nur die trockenen und nassen Früchte als den wahren Ertrag des Ackerlooses in Anschlag gebracht habe. Dass die Schilderung der spartanischen Sitten und der für Porphyrios' Tendenz besonders wichtigen Phiditien, bei denen jedoch die berühmte Blutsuppe wohlweislich unerwähnt bleibt, aus Plutarch's Leben des Lykurgos14) ausgezogen ist, hat Porphyrios selbst durch beiläufige Nennung dieses Schriftstellers (p. 161, 15) auch für diejenigen, weiche der Augenschein nicht belehrt hätte, hinlänglich angezeigt; die Herübernahme ist eine so wörtliche, dass man endr lieh aufhören sollte, den Porphyrios als gesonderte Quelle neben Plutarch bei Fragen der spartanischen Gesetzgebung aufzuführen. Für den Sammler asketischer Regeln ist die hellenische Nationalsitte in ihrem Gleichgewicht zwischen heiterem Genuss und rüstiger Arbeit ein sehr unergiebiger Boden-, Porphyrios lässt es daher bei jenem kurzen und gewaltsamen Streifzuge in spartanisches Gebiet bewenden und führt seine Leser rasch in das Morgenland, die Heimath beschaulicher Entsagung so sehr wie üppiger Sinnenlust. Freilich liess sich auch kein orientalisches Volk auffinden, welches in seiner Gesammtheit jeglicher Fleischkost entsagt hätte; aber die Priester, meint Porphyrios (p. 163, 15 — 27), sind als Vermittler zwischen ihrem Volke und der Gottheit zugleich die Träger des höheren Volksbewusstseins, und da nun in allen orientalischen Priesterregeln Verbote theils von jeder, theils von gewissen Fleischgattungen vorkommen,- so darf man die cUebereinstimmung der Völker,3 auf welche die Gegner der pythagoreischen Lebensweise sich beriefen (s. oben S. 13), vielmehr , zu Gunsten derselben