Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1866
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2720904-2720933-2720934--0634-2721876- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
16 'geringe Menschen die Oberhand; in denen aber der Abgrund 'der Freiheit ist, die nehmen Alles in sich auf und werden durch 'Nichts befleckt.1 Der Aufmerkende spürt alsbald, dass der Vergleich mit dem Meere von Anbeginn darauf angelegt war, um die auserwählten Menschen darzustellen als eingegangen in den 'Abgrund1, den Bythos, unter welcher Bezeichnung die valentinianische Schule'") den göttlichen Urgrund versteht; und auch Porphyrien, der auf Geheiss seines Lehrers Plotinos (Vit. Plot. 16) sich mit den gnostischen Systemen zum Behuf ihrer Widerlegung vertraut gemacht hatte, verhöhnt hauptsächlich den Bythos in folgenden derb epilogisirenden Worten: cMit solchen Reden betrogen sie sich und 'richteten ihre Lebensweise dem Truge gemäss ein-, aber statt in 'den Abgrund der Freiheit haben sie sich in den Abgrund der 'Unseligkeit gestürzt und sind darin ertrunken.1 Man geht also wohl nicht fehl, wenn man auf Grund des valentinianischenfBythos1 das ganze Excerpt einem Gnostiker aus jener Schule beilegt. — Ein Gegenstück zu der übersinnlichen Sinnlichkeit der gnostischen Geistesfreien bildet das dritte und letzte Excerpt; es enthält eine Anpreisung mässigen Speisegenusses aus epikureischer Feder; und vornehmlich weil die mit der Geschichte der Philosophie nicht näher bekannte Lesewelt damals wie jetzt jeden Epikureer ohne Weiteres für einen Schlemmer oder Feinschmecker hielt, hat Porphyrios iflr durch eine so 'unerwartete (naqddo^ov p. 74, 4)1 Mittheilung zeigen wollen, dass sogar die Philosophen, welche die Lust für das höchste Gut erklären, durch ihre Empfehlung einfacher und billiger Kost wenigstens mittelbar zu Gegnern der kostspieligen und viel Zubereitung verlangenden Fleischspeisen werden. An der Spitze des zwei Seiten (c. 49—52, p. 74, 12—76, 15) einneh- Epikureimenden Excerpts steht zwar der vielgerühmteu) Kernspruch Epikurs: 'der Reichthum der Natur ist begrenzt und leicht zu beschaffen, 'der Reichthum des leeren Wahnes hingegen ist unbegrenzt und 'schwer zu beschaffen.1 Aber da gerade solche Kernsprüche des Meisters den Nachfolgern gleichsam als Texte für ihre eigenen Ausführungen zu dienen pflegen, so berechtigt dieser Anfang wohl noch nicht, das ganze Stück dem Epikur zuzuschreiben; vielmehr muss es für wahrscheinlicher gelten, dass Porphyrios, da er ja bei Zusammenstellung des ersten Buches schon für andere Zwecke (s. oben S. 8) die Werke des Hermarchos zur Hand genommen