Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1866
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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9 Vielmehr haben wenige hervorragende Geister das wahre Interesse Hermarch^ (xo avf.upsqov) der Menschheit erkannt, und diese Einsicht, nicht rohe Gewalt oder politische Unterjochung, habe ihnen den überwiegenden Einfluss auf die Massen verschafft, so dass sie die Mehrzahl, welche ihr Interesse zwar nicht aus eigener Kraft, aber wohl durch fremde Belehrung einzusehen vermag, im Wege der Ueberzeugung für ihre Vorschriften gewannen, und nur eine geringe Minderzahl, deren Stumpfsinn keine Unterweisung zuliess, durch Androhung von Strafen zu zwingen brauchten. Angewendet auf die geltenden Bestimmungen über Tödtung lebendiger Wesen führen diese lebhaft an die Gesetzgebungstheorie Bentham's erinnernden Sätze den Epikureer zu der Behauptung, dass die Heiligkeit des Menschenlebens von allen gesitteten Völkern nicht bloss deshalb anerkannt und durch gerichtliche Verfolgung des vorsätzlichen so wie durch religiöse Sühne des unfreiwilligen Todschlags geschützt sei, weil ein natürlicher Zug verwandtschaftlichen Gefühls den Menschen mit dem Menschen verbinde; das sei höchstens ein Nebengrund; der hauptsächliche und wirksamste Antrieb, welcher die alten Gesetzgeber den Mord für ruchlos (ävoaiov) erklären liess. sei darin zu suchen, dass sie seine Unvereinbarkeit mit dem Gesammtinteresse der menschlichen Gesellschaft erkannten. Eben diese Rücksicht auf das Interesse, welche Menschentödtung verbot, habe aber jenen calten Lenkern der Massen (oi sB, aQxijg tu /rXrj&r, dioixjjactvTsc p. 48, 32y die Tödtung aller, auch der zahmen, Thiere empfohlen; denn wie die Sicherheit der menschlichen Gesellschaft augenscheinlich Ausrottung der wilden Thiere erfordere, so lehre geringes Nachdenken, dass auch so zahme und nützliche Thiere. wie Schaaf und Rind, wenn sie unbeschränkt der jedem organischen Wesen einwohnenden Kraft unendlicher Vermehrung überlassen blieben, dem Menschen Raum und Nahrung benehmen, also seine Wohlfahrt gefährden würden. Nachdem er so die Tödtung der Thiere im Allgemeinen gerechtfertigt hat, hält der Epikureer es nicht der Mühe werth, auf die besonderen, bei den verschiedenen Völkern geltenden Bestimmungen über den Genuss einzelner Gattungen von Thierfleisch näher einzugehen; durchschnittlich lasse sich auch hier die Rücksicht auf das, freilich nach örtlichen Verhältnissen mannigfach wechselnde, Interesse der Gesammtheit als entscheidend herauserkennen. Den Schluss der langen, von den