Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1866
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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5 Freund Cicero's, war der wirksamste Apostel dieser Richtung; bald castricius. ward sie sogar als eine Modesache von Leuten wie Vatinius (Cic. in Vat. 6, 14) affectirt; die einzige, wenigstens mit einem Schein von Originalität bekleidete Secte römischer Philosophen, die der Sextier, gelangte, wenn auch aus minder überschwänglichen Gründen als die Pythagoreer, doch zu dem gleichen praktischen Ergebniss der Enthaltung von animalischer Nahrung- und Jahre lang hatte Lucius Annaens Seneca (epist. 108, 22), von jugendlicher Begeisterung für philosophisches Leben ergriffen, sich mit Pflanzenkost begnügt, bis endlich sein Vater aus Besorgniss, der Sohn möchte in die damals von Kaiser Tiberius verhängte Verfolgung fremdländischer Culte verwickelt werden, ihm wieder Fleischspeisen aufnöthigte. Eine Askese nun, welche vor und in dem ersten Jahrhundert n. Ch., zu einer Zeit da die national-römische Sitte in ungebrochener, den Einzelnen beherrschender Kraft fortbestand, bereits so viele Jünger zählte, musste während des dritten Jahrhunderts, als in dem Gewimmel religiöser Secten und philosophischer Schulen die einende Macht des Volksgeistes zersplittert und der Einzelne auf eigene Hand seine Lebensordnung sich zu wählen gezwungen war, leicht genug Anklang bei erregteren Gemüthern aus allen Kreisen finden; es kann daher keine besondere Verwunderung erwecken, dass der vornehme Castricius, nachdem er sich dem reinen Spiritualismus des Plotinos und der etwas gröberen Mystik des Amelios und Porphyrios hingegeben hatte, die empfangenen Lehren in sein Leben übertrug und dem Fleischgenuss entsagte. Bald jedoch mag er eine solche Enthaltsamkeit mit seiner gesellschaftlichen Stellung unvereinbar gefunden haben; als Plotinos starb 5), befand Castricius sich in Rom, fern von Porphyrios, der bereits bei Plotinos' Lebzeiten seinen Aufenthalt in Lilybäum genommen hatte; sich selbst überlassen, fiel Castricius nicht bloss in die landesübliche Lebensweise zurück, sondern suchte auch seinen Abfall von der pythagoreischen in öffentlichen Vorträgen zu rechtfertigen. Porphyrios hatte geschwiegen, so lange die ihm zukommenden Nachrichten nur von der persönlichen Sinnesänderung des Castricius meldeten; als ihm jedoch dessen öffentliches Auftreten zu Ohren kam, welches eine Spaltung5) in dem Philosophenkreise herbeizuführen drohte, hielt er auch seinerseits eine öffentliche Erörterung für unvermeidlich. Er beschränkt dieselbe nicht auf Zurückweisung der Einwürfe,