Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1866
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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2 in der byzantinischen Zeit abgeschrieben und genutzt wurde, hatte diese Gunst wohl nicht blos ihrem reichen historischen Inhalt zu verdanken; denn durch Vorzüge solcher Art waren die verlorenen Werke, wie schon deren eben angeführte Titel erschliessen lassen, sicherlich in noch höherem Maasse ausgezeichnet; sondern, da es die ""Enthaltung von animalischer Nahrung (IIsqI ^Anoyjqc 3E{.iipv%a)vf empfiehlt, so ward im Wohlgefallen an der asketischen2) Tendenz des Buchs gern über seinen verfänglichen Ursprung hinweggesehen; das bald nach Porphyrios' Tode (um 300 n. Ch.) Morgen- und Abendland überschwemmende Anachoretenthum und Mönchswesen holte sich mit besonderer Vorliebe Waffen aus der Rüstkammer des Feindes. Mit dem Eintritt der Neuzeit verloren freilich solche mönchische und asketische Gesichtspunkte ihren früheren Einfluss auf die litterarischen Neigungen und Abneigungen; die wenigen nichtmönchischen Anhänger vegetabilischer Diät,, welche in Europa vor und nach J. J. Rousseau aufgetreten sind, standen den Kreisen fern, welche das öffentliche Urtheil über griechische Bücher bestimmen; und wenn das Buch des Porphyrios seit seiner ersten Verbreitung durch den Druck im J. 1548 die Aufmerksamkeit der Alterthumsforscher weit mehr als alle übrigen neuplatonischen Schriften beschäftigt hat, so liegt der Grund dafür in einer äusseren Eigenthümlichkeit der Abfassung, welche für den jetzigen Leser dem Werke an sich eine sowohl von dem anziehenden oder abschreckenden Thema wie von den Vorzügen oder Mängeln des Verfassers unabhängige Empfehlung verschafft. In der That gehört die Arbeit des Porphyrios in die Reihe der grossen Compilationen, von welchen die spätere griechische Litteratur so häufige Beispiele auf den verschiedensten kirchlichen und nichtkirchlichen Gebieten aufweist; das compilirte Material wird für uns von unschätzbarem Werth, weil die Bibliotheken, welche es lieferten, untergegangen sind; die Gedanken und Absichten der Compilatoren lassen uns entweder kalt, oder sie werden von dem fremden Material überwuchert. An dem letzteren Gebrechen leidet allerdings Porphyrios' Buch Wider den Pleischgenuss nicht in dem Maasse wie etwa die /Tischgelehrten* des Naukratiten Athenäos oder die cEvangelische Vorschule1 des cäsareenser Bischofs Eusebios; in diesen Sammelbüchern ist der Faden, an welchem die Excerptenmassen aufgereiht sind, ein sehr grob gesponnener; und die grossen Excerpte werden, dem Plane