Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1865
- Date
- 1865-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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9 Begründung vermag dem Ausspruche Achtung zu verschaffen. Die geistige Forschung bildet also auch in der Responsenliteratur den Factor: es wird in dem Geiste fortgebaut, in welchem begonnen wurde, in ihm reicht eine Generation der andern die Hand, knüpft die jemalige Gegenwart geistig an die Vergangenheit an. Diese Responsen zeigen also Fortbau, aber es tritt in ihnen auch zugleich eine selbstständige Thätigkeit hervor. Die Anfragen ergingen, wie erwähnt, nicht nur zur sofortigen Nutzanwendung und Verwerthung, es wurde auch Auskunft auf verschiedenen Gebieten des Wissens verlangt. Die Responsen enthalten nun Erklärungen schwieriger Schrift-, Mischna- und Talmudstellen; vorzüglich sind die frühern Responsen für Lesearten und Emendationen wichtig, und tragen viel zur mischnischen und talmudischen Texteskritik bei. Nicht ohne Interesse ist ferner die hier gegebene Belehrung auf Anfragen im Gebiete der Religionsphilosophie, Mathematik, Chronologie und Geographie. Eine nicht unwesentliche Ausbeute verspricht auch das Studium der Responsen der historischen und culturhistorischen Forschung. Die jüdische Literatur hat kein eigentliches Geschichtswerk aufzuweisen: die Juden hatten nur eine Reihe von Leiden und Verfolgungen zu verzeichnen, die Vergangenheit war Gegenwart, die jedesmalige Gegenwart der vollständige trübe Abdruck der Vergangenheit; und wie die Gegenwart nicht Object der Geschichte, so konnte diese in die jedesmalige Jetztzeit ihre düsteren Schatten hineinwerfende und sich in ihr abspiegelnde Vergangenheit, sich nicht zum historischen Hintergrunde gestalten. Erst die durch den Fortschritt der Humanität sich klärende Zeit lässt eine objective Auffassung zu, es bietet sich nun ein Gewesenes, nicht noch Daseiendes, und so gewinnt die geschichtliche Reflexion ihre Be^ rechtigung. Diese richtet sich zuerst auf die Totalität der obschon von keinem activen Eingreifen zeigenden Begebenheiten der . Juden. Es ist Aufgabe der Geschichtsforschung, den in dem Leben eines Volkes in der Zeiten langer Reihe sich mänifestirenden Geist zu erkennen 5 in der Geschichte der Juden offenbart sich eine höhere, der Zeit und ihren rauhen Angriffen nicht erliegende Kraft: es ist hier gleichsam das Walten Got^ tes in der Geschichte aufgerollt, vernehmbar das Rauschen des Flügelschlages der die Jahrtausende in ihrem Schoosse