Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1865
- Date
- 1865-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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10 tragenden Vorsehung. Der Geschichtsforscher will aber auch die einzelnen, den Hintergrund bildenden Begebenheiten erkennen; und für sie sind die Responsen eine reiche untrügliche Fundgrube. Hier wird gar Vieles unabsichtlich erzählt, die Leiden boten mannigfach traurigen Stoff zu Anfragen: versprengte und sich schwach wieder consolidirende Gemeinden, aus ihren Fugen durch feindliche Hand gerissene und kaum sich wieder aufbauende gesellschaftliche Verhältnisse, sollen durch ertheilten Bescheid Basis und Consistenz gewinnen. Was und wie hier referirt wird, das Objective der Darstellung, trägt den Stempel der Wahrheit. — Die Responsen liefern aber auch für die Geschichte im Allgemeinen einen nicht unerheblichen Beitrag. So wie Josephus eine reiche Quelle für das Leben Caligula's und andere geschichtliche Partien, so erzählen die Responsen manche Begebenheiten, die, von gleichzeitigen Geschichtsschreibern dunkel oder gar nicht erwähnt, den Zeitereignissen Illustration und Verständniss verschaffen. Die Responsen tragen ferner zur Kenntniss der Culturzustände der Juden und zugleich der Völker, unter denen sie lebten, bei. Ans den aus dem Leben und für das Leben ergangenen Anfragen fallt manches Streiflicht auf die sittlichen und socialen Verhältnisse der Zeit, auf deren Beschäftigungen und Unternehmungen, auf die häuslichen Einrichtungen, auf die Weise, wie das Zeitalter Freude und Trauer an den Tag legte, welche Zerstreuungen es suchte, überhaupt auf die äusseren Zustände, in denen sich das innere Leben abspiegelt. Auf diese Zustände übte aber das Land, wo je Juden Aufnahme fanden, einen unwiderstehlichen Einfluss. So sehr man in religiösen und überkommenen Anschauungen und Gebräuchen auseinanderging, es konnte den socialen Zuständen der überwiegend stärkeren Bevölkerung der Eingang nicht verwehrt werden, auch stellte das Leben Anforderungen, in deren Befriedigung man sich begegnen musste. Ueber diese Verhältnisse, Einrichtungen, Sitten und Gebräuche der Juden wie der nichtjüdischen Bevölkerung, verbreiten die Responsen manches Licht; sie vergegenwärtigen ihre Zeit nach deren Culturzuständen.