Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1865
- Date
- 1865-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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seligen Fanatismus erhoben, nahm das Studium durch gelehrte Einwanderer aus Spanien neuen Aufschwung. Diese Orientirung über den durch den grossen Lauf der Zeiten häufig veränderten Sitz des jüdischen Studiums legen wir der gegenwärtigen Abhandlung zu Grunde, um uns über Inhalt und 'Umfang unserer Aufgabe zu verständigen. Werfen wir nochmals einen Blick auf Wesen und Zeit des religiösen Studiums. Es setzt sich als Selbstzweck, will über das Gesetz forschen und es erforschen, die religiöse Speculation findet in sich, in dem Eingehen und Sichversenken in das göttliche Wort ihre Befriedigung. Aber dieses göttliche Wort, das Gesetz, ist für das Leben berechnet, es stellt Normen auf für die Beziehungen nach oben und für die irdischen Verhältnisse: die Speculation tritt daher aus der Welt des Gedankens in die Welt des Realen, richtet ihre Aufmerksamkeit auf die Verwirklichung und Verkörperung des Gedankens: die Ausübung. Die Speculation kann sich also dem Practischen nicht entziehen: sie gehet nach dem Tenor des Gesetzes vom Practischen aus, erhebt es zur geistigen Anschauung und verwerthet das aus ihr gewonnene Resultat auf das Practische. Diese Wechselbeziehung ziehet sich wie ein Lebensfaden durch das ganze Judenthum, entnimmt dem Leben, es in seiner Wirklichkeit berücksichtigend, dasObject der Speculation, und gibt es im Geiste verarbeitet dem Leben wieder zurück. Und hierdurch verblieb das Judenthum in steter Flüssigkeit. Die das ganze Leben nach seinen inneren wie äusseren Beziehungen umfassenden Normen des mosaischen Gesetzes, haben menschliche Verhältnisse in ihrer Einfachheit und Ursprünglichkeit im Auge; die Zeit erweitert diese Verhältnisse, neue Beziehungen, neue gesellschaftliche Verhältnisse und mit ihnen neue Collisionen entstehen, und die alten Normen reichen nicht mehr aus. Aber wenn Buchstabe und Form wandelbar und häufig der Veränderung und des Zusatzes bedürftig sind, der Geist bestehet ewiglich, von ihm aus soll durch geistige Canäle ein über die neuen Verhältnisse sich verbreitendes Licht angeleitet werden. Durch tief eingehende Erforschung des Gesetzes, durch Analogien und andere Geistesoperationen wurde für neue Geburten der Zeit an das alte Gesetz angeknüpft und neue Normen in seinem Geiste festgesetzt. Diese Normirungen treten in zweifacher Form hervor.