Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1865
- Date
- 1865-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2720904-2720935-2720936--0513-2721755- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Zurückkehrenden wurde sie die sie leitende und beschattende Fahne. Als deren Träger lernen wir bald Esra, den Sofer, (Schriftgelehrten, Schrifterklärer) kennen; ihm schliessen sich in einem Zeiträume von drei Jahrhunderten gottbegeisterte, die Schrift erklärende Männer — Soferim — an, in ihrer Gesammtheit „die grosse Synagoge" genannt. Manche dieser Erklärungen sind uns erhalten, und weisen bei ihrer scheinbaren Einfachheit auf eine eingehende Durchdringung des Stoffes. Einen hohen Aufschwung nahmen Lehre und Studium mit dem Ausgange des grossen Maccabäerkampfes. Zwei Parteien standen einander gegenüber, die eine zum Hellenenthum hinneigend und ihm Glauben und väterliche Sitte bereitwillig opfernd, die andere für Vertheidigung des Glaubens das Leben hingebend, ihre Losung war „Sein durch den Glauben, ohne Glauben kein Sein." Der endliche, die todesmuthige Anhänglichkeit krönende Sieg fachte die Gläubensliebe zu einer über alle Geschlechter hinaus unauslöschlichen Flamme an, und von da ab liegen uns auch mannigfache Hinweise auf ein eingehendes, mit tiefen Geistesoperationen verbundenes Studium vor. Doch vermögen wir die geistige Thätigkeit dieser Periode nur zu ahnen, die aus ihr erhaltenen Forschungsresultate sind aufzückende Lichtstrahlen, die ein Studium errathen, aber dessen Lauf und "Weise uns nicht erkennen lassen. Die Hellenenpartei war zwar unterlegen aber nicht zertreten, und sie schlug nun in den Sadducäismus um 5 innere Zwietracht und durch sie herbeigeführte politische Strömungen machten daher das Bedürfhiss nach Concentration der aus der Forschung für das Leben sich ergebenden Resultate fühlbar. Die Forschung blieb zwar frei, aber ihre Ergebnisse konnten, um Zersplitterung und etwa hieraus sich bildender Sectirerei vorzubeugen, nur unter Autorisation des Synhedrions ins Leben treten. Diesem obersten, zu Jerusalem in einem Saale des Tempels residirenden Gerichtshofe, war die Ueberwachung des Gesetzes anvertrauet, das Grundlage und Palladium des Staats „Staatsgesetz" war. An ihn wandte man sich bei zweifelhafter Auffassung des Gesetzes, seiner Genehmigung wurde das auf das Leben Einfluss übende Resultat untergelegt. Wurde ihm die Genehmigung zu Theil, so trat es als Synhedrialbeschluss, gewöhnlich unter Benennung des zeitigen Synhedrialpräsidenten — Nasi — ins Leben; die Weise, wie der Autor zu diesem