Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1864-01-01 · 1864 · page 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1864
Date
1864-01-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2720904-2720921-2720922--0502-2721744
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

XUI Es kann keinem Zweifel unterliegen, ,dassv>sich seine gereizte Stimmung bald gegen Judäa und die Nationalpartei kehrte. Es waren-die Anhänger des egyptischen Hofes; in deren Züchtigung und Aufreibung gedachte er zugleich diesem einen Stoss zu versetzen und sich freie Bahn in Judäa zu .machen, für den Fall, dass er abermals bei günstigerer Gelegenheit in Egypten einen Einfall machen sollte, ein Plan, den er bis zu seinem Ende in der Brust hegte. Die Gegenpartei, die Hellenisten, wird es nicht an Aufreizung und Ansehwärzungen gegen die Nationalen in Judäa haben fehlen lassen, um durch deren Vernichtung freie Hand zu haben. Ob es historisch richtig ist, was das zweite Makkabäerbuch erzählt, dass sich in Judäa das Gerücht von Antiochos' Tod verbreitet, dass die Gegner der Hellenisten in Folge dessen kühn das Haupt erhoben hätten, und dass Jason, ein Gegner des Menelaos, wieder nach Jerusalem gekommen wäre und Rache an seinen Feinden genommen? (5, 5—6). Das Buch ist zu sehr sagenhaft und tendenziös gehalten, als dass man seine Nachrichten ohne Bedenken als Facta annehmen könnte. Es bedurfte aber gar nicht einer solchen Schilderhebung, um Antiochos zur Vergewaltigung gegen die Nationalpartei zu reizen. Er hatte ohnehin Grund genug sie zu hassen und zu verfolgen, auch wenn sie keine feindselige Demonstration kundgegeben hätte. Gegen den Gott Israels hatte er ebenfalls einen ohnmächtigen Ingrimm; denn Er war es, der nach der Ueberzeugung der jüdischen Frommen, Antiochos' Demüthigung durch Rom und die Vereitelung der Pläne herbeigeführt hat. Im Buche Daniel wird wiederholentlich hervorgehoben: dass das vierte Thier oder der König des Nordens (Antiochos) lästerliche Worte gegen den Höchsten ausstossen werde (7, 25; 8, 25; 11, 36). An dem jüdischen Volke und seinem Gotte zugleich wollte Antiochos seine Macht und Ueberlegenheit zeigen, diesen durch den Zwang des hellenischen Zeus und des heidnischen Cultus stürzen und jenes aufreiben, wenn es seinem Gotte treu bleiben, oder es auf seine Seite ziehen, wenn es sich gefügig zeigen sollte. Dieser Plan erforderte ein rasches Handeln. Die Hellenisirung der Juden konnte zum Theil die Scharte auswetzen, welche ihm Popillius Länas beigebracht hatte. Alles spricht dafür, dass der „verstimmt und gekränkt" von Egypten abziehende Syrerkönig nicht lange nach seinem Rückzüge den Religionszwang gegen die Juden und die Entweihung des Tempels beschlossen hat und ausführen liess. Sein Rückzug von Egypten erfolgte, wie Polybius zu verstehen giebt, nicht gar zu lange nach der ersten Unterredung mit den römischen Gesandten. Die Zwischenzeit ist jedenfalls nur* nach Tagen zu zählen. Nehmen wir 8 Tage an, so würde der Rückzug in der ersten Woche des Juli erfolgt sein, und nach dem jüdischen Kalender Ende Siwan oder Anfangs Tammus. Liegt es nun nicht viel näher, dass das Götzenbild schon am 17t. Tammus auf den Altar gestellt worden ist, als erst am 15. oder 25. Casleu, d. h. fast ein halbes Jahr nach Antiochos' Rückkehr aus Egypten? Im ersten Falle ist der tolle Einfall, einem ganzen, wenn auch noch so 3

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.