Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1864
- Date
- 1864-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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vni Weil die Christen seiner Zeit ein so entschiedenes Gewicht auf dieses Buch legten und alle ihre Dogmen, die Menschwerdung, den Antichrist, das tausendjährige Reich und noch vieles Andere darin fanden und herausdeuteten, so unternahm Porphyrius in seiner Schrift „Worte gegen die Christen" (Äoyoi y.axa XQiGxiav&v)-den Beweis zuführen, dass diese Apokalypse die Reibungen zwischen Antiochos Epiphanes nnd den Juden zum Haupt- Thema habe, und von dem, was die christliche Dogmatik darin finden wollte, keine Spur enthalte. Er zog Nachrichten von Historikern zur Begründung seiner Behauptung und zur Erläuterung der räthselhaften Partieen heran von Suctorius, Callinicus, Diodor, Hieronymus, Polybius, Posidonius, Claudius Theo und Andronicus Alypius. Schade, dass die Schriften dieser griechischen Geschichtschreiber (bis auf wenige) untergegangen sind, und auch Porphyrius1 Schrift gegen die Christen, bei der fanatischen Razzia gegen heterodoxe Bücher, ein Raub der Zeit wurde und uns nur aus den Auszügen des Kirchenvaters Hieronymus im Commentar zum Daniel bekannt ist. Für die jüdische Geschichte ist das ein unersetzlicher Verlust, weil in diesen Quellen die. Vorgänge unter Antiochos Epiphanes und der hasmonäischen Vorgeschichte schärfer ^gezeichnet waren. Die christliche Theologie sträubte sich lange gegen diese von Porphyrius angebahnte historische und sachgemässe Erläuterung des Buches Daniel. Erst 1781 befreundete sich ein Theologe, Heinrich Corrodi in Zürich, mit dieser Auslegungsweise in seiner kritischen Geschichte des Chiliasmus. Die jüdische Theologie dagegen, welche weder die Inspirationstheorie, noch den Chiliasmus zu vertreten hat, die nicht einmal Daniel als Propheten anzuerkennen braucht, indem der Talmud ihm die Prophetenbegabung abspricht — «vy )vb 6*wi) (Traktat Megilla 3 a), die jüdische Theologie hatte es leichter damit. I b n-E s r a erklärte schon in seinem 1156 geschriebenen Daniel-Commentare zum Theil (zum 8ten Capitel) Manches im Daniel durch Vorgänge unter dem Syrerkönig. Durchgeführt hat aber diese Auslegung von Antiochos Epiphanes ein sehr geachteter und gelehrter Rabbiner des vierzehnten Jahrhunderts, Chajim Gallipapa aus Navarra, in einer eigenen Schrift: Abhandlung über die Erlösung (rfclNan matt), zur Zeit, als die biblische Exegese unter den Christen noch sehr im Argen lag. Er behauptete darin geradezu, dass die räthselhaften Visionen im Daniel lediglich auf Antiochos und die Hasmonäer zu beziehen seien und erst dadurch ihre Erklärungen fänden. Joseph Albo referirt in seiner philos. Schrift Ikkarim (IV. 42): maK fitnp mata nDD^a CTI 'Tin nro py -y nna inrrrvi rm pa&i rwvrb -OD,n tto w>-?b): bwm) n» ••••nh&on chos Epiphanes für den Mörder seines Bruders zu halten? Lag doch dieser Vorgang gewissermassen innerhalb seines Gesichtskreises! Nach keiner Seite hin ist die letzte Erläuterung der „zehn Hörn er und der drei Hörner" als gelungen anzusehen. Dieser Zug in der Danielisehen "Vision bleibt noch eine offene Frage.