Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1864
- Date
- 1864-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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VII Bekanntlich war es ein Heide, der neuplalonische Philosoph Porphyriiis aus Syrien (um 300), welcher zuerst den Schlüssel zur Enträthselung des Buches Daniel gefunden hat. seiner Thronbesteigang umgebracht habe, und im Verdachte gewesen sein mag, auch seinen Bruder Seieucus IV. Philopator aus dem Wege geräumt zu haben. Ein Referat in der Revue de deux mondes (Jahrgang 1863 Octobre): La litterature apocalyptique betitelt, stimmte desswegen ein Triumphlied auf die gelungenen Resultate der zeitgenössischen kritischen Exegese an. Allein die Lösung ist keinesweges so sehr befriedigend, um in ein freudiges Heureka ausbrechen zu können. Die genannten Exegeten berufen sich auf Appian, dass Antiochos Epiphanes den Mörder seines Bruders, den Thronräuber He Ii od or, getödtet, und auf den Compilator Johannes von Antiochien, dass derselbe auch einen Sohn seines Bruders umgebracht habe. Aber genau angesehen, verlieren diese Zeugnisse gar sehr an Beweiskraft. Appian berichtet lediglich, dass, während Antiochos Epiphanes bei seiner Rückkehr aus Rom noch in Athen weilte, die Könige Eumenes und Attalos, seine Verbündeten, Heliodor, welcher Seleucus das Leben geraubt, verbannt haben (de rebus Syriacis c. ±2 ed. Schweighäuserl. p. 604): Avnoxov ö£ .... ovxog exi usqi^Ai>^vag, 6 i-isv 2eXsvxog i% smßsXijg cHXio3mqs iwog tqiv neQl itjv ccvXijV aTro&vqaxsi, zov db'HXiödMQov Evf.isvqc xcd,'AczaXogi ig ctQ^qv ßict£6tusvov, sxßccXXsai, xul rbv Avcioypv xctruysai x. t. X. Johannes Antiochenus erzählt allerdings in einem der Fragmente, welche C. Müller (in den Fragmenta Ilistoricorum Grae corum IV. p. 558 Nr. 58) das erwähnte Factum: oti 'Avcloxog, 6 -cr}g 2vgiag ßctGiXavg, ts 2sX€vx8y %h ädtXcfs, Ttaidct vnoron^ffag öisgid-siQsv. Diese Nachricht ist aber von vornherein verdächtig, weil sie ausser diesem Compilator sonst Niemand tradirt, wie C. Müller (das. Note) bemerkt: Alter vero Seleuci Philopatoris filius, quem Antiochus occidit, aliunde, quantum scio, non notus est. Dieser Mönch Johannes von Antiochien, wohl identisch mit Johannes von Asien, von dessen syrischer Chronik Assemani in seiner Bibliotheca Orientalis Stücke mitgetheilt hat (T. L), dieser mönchische Chronist, der frühestens im siebenten Jahrhunderte gesehrieben, hat sich zuviel historische Schnitzer zu Schulden kommen lassen, als dass man ihn als einen zuverlässigen Gewährsmann ansehen könnte. Er hat die ihm vorliegenden Quellen vielfach missverstanden und namentlich historische Personen verwechselt. Aber selbst zugegeben, Antiochos Epiphanes habe seinen Neffen getödtet, und dass der Sieg des Eumenes und Attalos über Heliodor dem Antiochos Epiphanes zugeschrieben worden sei, kann auf diese die Bezeichnung „Horn", d. h. Herrscher, angewendet werden? Beide hatten noch nicht die Krone gefragen, als sie beseitigt worden. Die Danielische Apokalypse bezeichnet aber ausdrücklich, dass die drei von dem kleinen Horn vertilgten oder gefallenen Hörner unter den „zehn Hörnern" als faktische Herrscher sein sollen: ^STUrr1 yzb'S srhni (v. 22). Ferner war Heliodor gar nicht vom Stamme der Seleuciden, selbst wenn man ihn als König passiren lassen wollte, und doch müssen, nach dem Texte, sowohl die drei wie die zehn Hörner oder Könige von der regierenden Dynastie abstammen: p^lpi pD^E iTHPJJ isTTD^ TOS "OT JTOlpl. Ausserdem ist Heliodor, nach Appian's Darstellung, gar nicht getödtet, sondern nur verjagt worden — rHXt6da)Qov ... ixßulXsGi; man müsste also nach dieser Erklärung dem Worte «np^n^" Gewalt anthun und es milde als „gestürzt worden" nehmen. Endlich ist das „dritte Horn" oder der „dritte König," das Antiochos eben beseitigt haben soll, gar nicht unter den Seleuciden aufzutreiben. Eben so unrichtig wie Porphyrius1 Erklärung durch Artaxias, König von Armenien, (den Antiochos erst 165 a. Chr. besiegt hat), und wie die Lösung v. Lengerke's durch den Ptolemäus Philmetor von Egypten, ist die Auslegung der früher genannten Exegeten, es auf Seleucus Philopator, Antiochos'1 Bruder und Vorgänger, zu beziehen. Seleucus wurde von Heliodor getödtet, wie Appian berichtet; auch Daniel deutet es an. Nach Antiochos dem Grossen folgt: n&rtei tib) CBNn *6l "ßttr» CinS CÖ^VIMÜ n^yE bv "IfcJT» „er wird in einigen Tagen gebrochen werden nicht in Zorneswuth (?) und nicht im Kriege." Sollte der Verf. des Buehes Daniel, der als mit der sj'rischen Geschichte ausserordentlich vertraut vorausgesetzt wird, sich gerade darin geirrt haben, Antio-