Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1864
- Date
- 1864-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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VI Das skrupulöseste exegetische Bederil&n gegen die richtige Deutung der Worte: „Zeit, Zeiten und eine halbe Zeit," ein Jähr, zwei Jahre und ein halbes Jahr, ist durch die Parallele: „eine halbe Jahreswoche" gehoben. Unter den alten jüdischen Exegeten der taktvollste, Ibn-Esra, hat daher auch diese Erklärung aufgestellt. Bestätigt wird sie noch mehr durch die Zahl der Tage, welche die Danielische Apokalypse zweimal angiebt. Ein Heiliger fragt: „Auf wie lange wird die Prophezeiung gelten von dem täglichen Opfer (dem Aufhören desselben), von der Sünde (dem Gräuel) der Verwüstung und von dem Preisgeben des Heiligthums und der Menge zum Zertreten?" Darauf wird verkündet: „bis 2,300 Abend — Morgen" (niNö e6en "ipn 3"W "W, 8, 13—14), d. h. Abende und Morgen, Nächte und Tage (als besondere Zeitabschnitte) zusammengezählt, also Tage, zu 24 Stunden, die Hälfte, 1150. Das jüdische Mondjahr, nach dem damals gezählt wurde, beträgt, die Monate abwechselnd zu 29 und 30 Tage gerechnet, 354 Tage. Drei Jahre betragen demnach 1062 Tage. 1150 Tage geben also 98 Tage, d. h. 3 Monate mehr. An einer andern Stelle heisst es: „Und von der Zeit, als das tägliche Opfer aufgehoben und der „Gräuel der Verwüstung" gesetzt wurde" (bis zur Befreiung) 1290 Tage (12, 11), d. h. 31/, Jahre plus 51 Tage. Unter den älteren jüdischen Erklärern haben der Karäer Salmon ben Jerucham (um 940, bei Pinsker Likute Kadmonijot Texte p. 82) und Ibn-Esra (Ende des Daniel-Comment.) diese Tageszahl mit den „S1,^ Jahre" in Parallele gesetzt. Nach dem gegenwärtigen Stande der biblischen Exegese ist es gewiss ganz überflüssig, den Beweis anzutreten, dass der Kern der Danielischen Apokalypse Antiochos Epiphanes, seine Tyrannei und seine brutalen Streiche gegen das Judenthum andeutet. Geben es doch heutigen Tages christliche Exegeten von der orthodoxen Richtung in Deutschland wenigstens zu; nur wollen sie noch immer in dem geschilderten halb wahnsinnigen Syrerkönig den typischen Repräsentanten des Antichrist erkennen. Freilich lange gedauert hat es, bis sich diese Erkenntniss, das richtige Verständniss der Danielischen Bilder- und Zahlen-Räthsel, Bahn gebrochen hat. 3) Aufstellen „des Gräuels der Verwüstung" auf Titus zur Zeit der Zerstörung Jerusalems beziehen. Titus hat aber durchaus kein Götzenbild in's Allerheiligste gebracht, er wollte vielmehr den Tempel schonen und ihn für den jüdischen Cultus erhalten. 3) Manche dunkle Eäthsel bleiben allerdings noch zu lösen übrig} man darf sich darüber keine Illusionen machen. So namentlich muss noch der Nachweis geführt werden, welche Zählungsweise eingeschlagen werden muss, um die zehn Hörner des vierten Thieres, und die drei Hörner, welche vor (oder von oder durch) dem kleinen Horn vernichtet oder gefallen sind (Daniel 7, 8-, 19-, 22: NTlp p rt?m (N*"P2i pp C"p) rPITip p rpJDN KrP2Tip, die Präposition D"p p ist eben vieldeutig) festzustellen. In jüngster Zeit glaubten einige Exegeten (v. Gutschmidt, Volkmar u. A.) die Lösung gefunden zu haben, indem geschichtlich erwiesen sei, dass Antiochos Epiphanes zwei, wenn auch nicht Könige, so doch „Purpurati" bei