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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1864-01-01 · 1864 · page 7

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1864
Date
1864-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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V sale „durch den König des Nordens" wird die, Frage aufgeworfen: „Auf wie lange die Zeit der Wunder?" Und der in Linnen gekleidete Mann antwortet und schwört: „nach einer Zeit, Zeiten und einer kalben Zeit" (ism ffnyiö1) "mh ^2), und wenn der Zerstörer der Macht des heiligen Volkes untergegangen sein wird, wird auch dieses Alles (die Drangsale) aufhören (das. 12, 7). An einer dritten Stelle wird noch deutlicher angegeben: „Eine halbe Jahreswoche (3'/2 Jahr) wird (ein herrschendes Volk) aufhören machen Thier- und Speiseopfer nrüöi PDT nW jnatPn "»sro, und auf dem Flügel des Altars2) wird der Gräuel der Verwüstung stehen" (9, Ende). ') Vielleicht zu lesen H^V, C?3Jfte „zwei Zeiten"; das scheint Hieronymus (7, Ende) anzudeuten: „tempora juxta Hebraici sermonis proprietatem, qui et ipsi dualem numerum habent, duos annos praefigurant." 2) In diesem Verse muss man zu CSlpW PpD hV) ergänzen: D«npW nniÖH *p bin. Diesen Ausdruck, der in Daniel noch zweimal vorkommt 11, 31: DSIWft }>1pwn 1W1 WOm tmpEH u. 12, 11: C12>W pptfi^Dph Tönn IDID njJ&l hat man sich gewöhnt mit „Gräuel der Verwüstung" wiederzugeben, nach dem Vorgange der LXX und der Vulgata, welche ihn durch ßdsXvyiia eotjfmasoiCj abominatio desolationis, interpretiren. CWQ oder abgekürzt C£W ist aber schwerlieh ein Abstractum, vielmehr als nomen agentis „der Zerstörer, Verwüster, Tyrann" anzusehen. Dass Q21&'ft ppltf eine Umschreibung für „Götzenbild" ist, bezweifelt Niemand. Das erste Makkabäerbuch gebraucht diesen Ausdruck geradezu, wo es das Aufstellen des Jupiterbildes auf den Altar beschreibt (v S. III). An zwei Stellen in Daniel steht CDW yt£>D statt ppttf (8, 12—13). In den ersten zwei synoptischen Evangelien wird dieselbe Bezeichnung als Vorzeichen für Jesu baldiges Wiedererscheinen (Parusie) nach seinem Kreuzestode angewendet. Jesus wird daselbst eingeführt, wie seine Jünger von ihm das Zeichen der Parusie verlangen, und er ihnen mehrere dergleichen angiebt. Als Anfang der messianischen Wehen (iTl^E "^Sil, aqytl foöivoav) dass Viele auftreten und von sich behaupten werden: sie seien Messiasse, und dass Kriege entstehen werden, dann noch andere Vorzeichen, und zuletzt heisst es: „Wenn ihr sehen werdet den Gräuel der Verwüstung (von dem im Buche Daniel die Rede ist) am heiligen Orte stehen, dann mögen diejenigen unter Euch Christen, welche in Judää sind, auf die Berge fliehen" (Matthäus 24, 15—16, Markus 13, 14—15: cOcav itv idrjze to ßdskvyfiu rjjg eQ^^icoasag ... iacoag ev xotzm ctyiia etc. Die richtige Deutung dieser Prophezeiung von der Parusie giebt Hieronymus zu Matthäus 1. c, neben zwei geschmacklosen: Potest autem simpliciter aut de Antichristo aceipi, aut de imagine Caesaris, quam Pilatus posuit in Templo, aut de Hadriani equestri statua, quae in ipso sancto sanctorum loco usque in praesentem diem stetit. Abominatio quoque secundum veterem Scripturam idolum nuncupatur. Wenn nun der Gräuel der Verwüstung ein Götzenbild bedeutet, so kann das Kapitel in den beiden Evangelien von Jesu Wiederkunft weder vom Antichrist, noch von Pilatus' Kaiserbildern sprechen. Denn dieser Landpfleger hat nicht thatsächlich die Kaiserbilder aufgestellt, sondern wollte sie lediglich einfüliren, und zwar nicht in den Tempel, sondern nur in Jerusalem, d. h. er wollte eigentlich nicht, wie seine Vorgänger, die es gethan, die Kaiserbilder von den Standarten der Legion, die in Jerusalem einrückte, aus Rücksicht für die Juden entfernen. So bleibt nur die einzig richtige Erklärung übrig, dass das Kapitel von der Parusie von Hadrians Aufstellen einer Reiterstatue (und eines Jupiterbildes) auf der Stätte des Allerheiligsten spricht. Demnach sind die beiden ältesten Evangelien erst nach Beendigung des Barko chba-Hadrianischen Krieges und nach dem Falle Betars, d. h. nach 135 christl. Zeit, verfasst worden. Sämmtliche neutestamentlichen Exegeten, die aus der Tübinger Schule nicht ausgenommen, gehen in der Erklärung dieser Stelle fehl, indem sie das

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