Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1864
- Date
- 1864-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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m der vom Volke eingenommene passive Widerstand und dessen stilles Märtyrerthum hingezogen? Diese äusseiiich rein chronologische Frage ist nicht so unschuldig, wie sie aussieht, sie greift auf das Gebiet der Theologie hinüber und zerstört, in richtiger Beantwortung, manche tief eingewurzelte Illusion. Um nämlich das Dogma vom Antichrist und dem tausendjährigen Reiche festzuhalten und sie durch Verse des Buches Daniel beurkunden zu lassen, steifte sich der Kirchenvater Hieronymus, wohl auch manche Kirchenlehrer vor ihm und jedenfalls chiliastische christliche Theologen bis auf unsere Zeit auf der chronologischen Prämisse: Die Tempelentweihung habe nur drei Jahre gedauert (Hieronymus comment. in Danielem zu VII, 7): Legimus in Machabaeorum libris, Josephus quoque in eandem consentit opim'otiem, qvod tribus anriis templum pollutum fuerit in Hierusalern, et in eo Jovis idolum steterit svb Antiocho Epiphane eic% Es ist das bei dem gelehrtesten Kirchenvater ein polemischer Zug gegen Porphyrius' Behauptung: der Tempel sei drei und. ein halbes Jahr entweiht gewesen. In dem vorhergehenden Satze bemerkt derselbe: Si itaque snperiora, quae perspicne de Antichristo scripta sunt (in Daniele), refert Porphyrius ad Antiochum et ad tres et semis annos, quibus templum dicit fuisse desertum: ergo et hoc et qvod seqnitur.' „Regnum ejus sempiternum, et omnes reges servient ei et obedient? debet probare super Antiocho, vel, ut ipse putat, super populo Judaeorum, qvod nequaquam stare manifestum est. Die Frage, ob die Tempelentweihung drei Jahre oder ein halbes Jahr länger gedauert hat, ist demnach keine blos minutiös chronologische, sondern zugleich eine dogmatische, und verdient daher eine gründliche Untersuchung. Bei deren Lösung sollen aber keinesweges dogmatische, sondern lediglich historisch - kritische Beweismittel massgebend sein. Wenn Hieronymus behauptet: dass nicht blos das Makkabäerbuch, sondern auch Josephus die Dauer der Tempelentweihung auf drei Jahre ansetzen, so ist das nur halb wahr. Das erste Makkabäerbuch giebt allerdings diese Zeitdauer ganz bestimmt an: dass am 25. des Monats Casleu (Kislew) des Jahres 148 der Seleuciden (d. h. Nov. 165 der vorchristlichen Zeit) zum ersten Male wieder auf dem Altar geopfert wurde, zur selben Zeit und an demselben Tage, an dem die Heiden ihn (den Altar) entweiht hatten (I. Makk. 4, 52—54): Kaxu top xaioov, xai xaxä xyv ij/itQav, sv y ißfßijXaiffav avxb xa eSvrj x. x. ).. Im 1. Capitel v. 54 berichtet dieselbe Quelle, ein wenig abweichend, dass schon am 15ten Casleu des Jahres 145 (d. h. November 168) der Gräuel der Verwüstung (ein Götzenbild) auf den Altar gesetzt und in den Städten Judas ringsumher heidnische Altäre erbaut wurden: Kai xt} Tcvxexaidfxaxrj i}p&Qa laGtlzv xi7> Tttfinvoj xai xeGGaQazoGxtp xai exaxocrxcp trft, (pxodSfiTjffav ßdtfa>y[ji,cc eQ7jfia)(Tfbic enl %b SvaicicxriQiov x. x.?.. Die Angaben des jüdischen Historikers Josephus lauten aber nicht so bestimmt, oder vielmehr sie widersprechen einander, was demselben bekanntlich nicht selten passirte. Im Eingange zum ersten Buche „des 1*