Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1864
- Date
- 1864-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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n entgegengesetzt und ruhmlos sich dem ToÜe geweiht haben, auch er hat ein Anrecht auf die Bewunderung der Nachwelt. Denn jene, welche noch vor dem herzhaften Auftreten der Hasmonäerfamilie ihre Religion und väterliche Sitte mit ihrem Leben besiegelten, haben zuerst das Beispiel des Märtyrertimms für geistige Güter und sittliche Errungenschaften gegeben. In der Hasmonäerzeit ist zu allererst das Märtyrerblut für die religiöse Ueberzeugung, ohne Ruhmessucht und Hintergedanken, in Strömen geflossen, und dadurch ist erst das Judenthum, dem die Menschheit so viel verdankt, gestählt aus dem harten Kampfe hervorgegangen und hat sich Dauer und Unsterblichkeit errungen. Der jüdische Stamm ist damals erst in die Lehrjahre des Märtyrervolkes getreten und hat sich dadurch das, wenn auch passive, doch nicht minder schwere Heldenthum zu eigen gemacht. Die Seelenkraft der Selbstaufopferung für eine Ueberzeugung, eine Idee, eine Wahrheit ist darum gewissermassen das Erbtheil dieses Stammes geworden. Die ersten christlichen Märtyrer waren nicht Heidensondern Juden Christen. Die Ueberzeugung, welche gegenwärtig in jedem einsichtsvollen Gebildeten lebt, dass eine höhere Wahrheit, die keine Blutzeugen hat, noch nicht lebensfähig ist, und dass diejenige^ welche bereits solche begeistert hat, ihres Sieges gewiss ist, dieser Gedanke ist eine Frucht der Makkabäerzeit. Matkatias' Wort: „Unser Heiligthum ist geschändet, unsere Ehre von den Heiden entweiht, wozu soll uns noch das Leben!" dieses Wort, das seitdem öfter in der Weltgeschichte vernommen wurde, es ist damals Fleisch geworden. Diese allerdings glorreiche Epoche, die sich dem Andenken der Menschen tief eingeprägt hat, hat bisher noch keine durchgreifende kritische Bearbeitung gefunden, als scheute sich die Geschichtsforschung, herzhaft an die Thatsachen oder vielmehr an die Quelle, die sie aufbewahrt hat, heranzugehen, sie zu zergliedern und die Wahrheit vom Scheine zu befreien. Aber gerade vermöge ihrer Grösse und Kernhaftigkeit brauchte die Makkabäergesckichte die Kritik nicht zu fürchten. Sie kann nichts dabei verlieren, wenn auch hin und wieder durch eine stärkere Beleuchtung die Thatsachen eine andere Gestalt und die Entschlüsse eine andere Motivirung erhalten würden. Es giebt manche dunkle Punkte in dieser Epoche, welche eine Beleuchtung durchaus nothwendig machen. Manche in andere Literaturgebiete, z. B. in die talmudisch-agadischen, zersprengte Nachrichten sind noch gar nicht mit der Hauptquelle, dem ersten Makkabäerbuche, confrontirt worden. Aus einer solchen kritischen Vergleichung dürfte ein anderes Ergebniss resultiren. In dieser Abhandlung soll jedoch nur ein einziger Punkt aus der Makkabäergesckichte, oder eigentlich aus der ihr unmittelbar vorangegangenen Zeit, ihrer Vorgeschichte, erörtert werden, der sich für die Auffassung des ganzen Verlaufes als nicht unwesentlich herausstellen dürfte. Die Frage soll zum Abschlüsse gebracht werden: Wie lange hat sich die durch Antiochos Ephiphanes durchgeführte Entweihung des jüdischen Tempels, der den Juden aufgelegte Religionszwang,