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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1863-01-01 · 1863 · page 11

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1863
Date
1863-01-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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VIII die er für seine Darstellung verwenden konnte, entgangen ist1; obwohl selbst in seinen Summen, die sich noch ganz an den Gang des magister sententiarum halten2) und deren zum Theil speci- ') Albert's Kenntniss und Benutzung des More erstreckt sich auf alle drei Theile des Werkes. Denn selbst der Theil, der sieh grösstentheils mit den Specialitäten der jüdischen Religionslehre, mit der Angabe des Zweckes nämlich aller jüdischen Ge- und Verbote, beschäftigt, ist, wenn wir nicht, wofür kein genügender Grund vorhanden, die Politik für unecht halten wollen, von Albert nicht ungelesen geblieben (vgl. tom. IV Polit. S. 427, wo er des Maimonides' Ansicht über Opfer ausspricht). Ungleich stärker natürlich hat er den ersten und namentlich den zweiten Theil des More benutzt. Wir werden im Texte selbst auf solche Stellen eingehen, die geradezu eine R,eproduction ganzer Abhandlungen sind, und verweisen hier nur vorläufig auf einzelne benutzte Stellen, welche die Allseitigkeit der Benutzung erhärten sollen. Für die Benutzung der im 1. Theile des More befindlichen Abhandlung über die Attribute Gottes spricht das ausdrückliehe Citat (gemeint ist More I, 58) in de causis et processu univ. (tom. V S. 593), woselbst Albert nach Maimonides die Bedeutung der negativen Erkenntniss Gottes auseinandersetzt. Ebenso wird kein Moreleser in dem Capitel desselben Buches (S. 551), das überschrieben ist: „quod ex omnibus inductis nihil vere affirmari potest de primo priucipio rerum" und das im Einzelnen ausführt, wie die Substanzialität, das Sein und die Einheit in verschiedenem Sinne von Gott und von den geschaffenen Dingen gesagt wird, den Einfluss des einschlägigen Capitels in More (I, 57) vermissen. Für die Benutzung des zweiten Theiles, den Albert an einer bereits oben kurz von uns berührten Stelle auch ausdrücklich als zweiten Theil citirt (tom. XVHI 2 pars sum. theol. S. 58: in secunda parte libri qui inscribitur dux neutrorum sive dubiorum quorundam probantium mundi aeternitatem), bringen wir als überflüssig kein Beispiel von Benutzung, sondern nur Beispiele, welche die Sorgfältigkeit der Benutzung veranschaulichen. In de causis et proc. univ. S. 559 sagt er in der Auseinandersetzung des Streites unter den arabischen Philosophen, ob der Himmel (die Sphären) bewegt würde anima oder intelligentia (durch ein blos seelisches Princip, Phantasie, oder durch eine geistige Vorstellung): Contra hanc opinionem (sc. Avicennae, coelum moveri anima) disputat Averroes et Rabbi Moyses et multi alii philosophorum Arabum. Nun findet sich aber keine Polemik des Maimonides gegen die Meinung des Avicenna an der Stelle, wo Maimonides diesen Punkt bespricht (More H, 4). Nichts destoweniger ist Albert im Rechte, da eine sorgfältige Erwägung des Maimonidischen Ausdruckes zeigt, dass dieser auf Seiten der Gegner des Avicenna steht. Vgl. über diesen Punkt Münk S. 53, Note 2 zu seiner französischen Uebersetzung des More. — S. 568 desselben Buches bemüht sich Albert in einem ganzen Capitel, die Meinung des Maimonides, der den Hervorgang des Mannigfaltigen aus der einen und einfachen Ursache der Weisheit dieser Ursache zuschreibt und sich zu der neuplatonischen Ansicht von einem naturaothwendigen Hervorgehen nicht bekennen will, mit der Meinung der alten Peripatetiker auszugleichen. Dass dabei Albert keinen Unterschied zwischen Peripatetikern und Neuplatonikern macht, wissen wir schon. Interessant sind die Worte, mit denen er die entgegenstehende Ansicht des Maimonides einführt: Rabbi Moyses autem solus ivit contra hanc viam, theologizare volens. — Auch kommen oft Citate aus dem Gedächtnisse vor, die nur ungefähr das geben, was Maimonides sagt. 2) Peter von Novara, der Lombarde, Schüler des Abälard, Lehrer der Theologie zu Paris, st. 1164 (nach Andern 1160). Von seinem Werke theol. christianae sententiarum libri IV erhielt er den Beinamen, unter welchem er im Texte angeführt ist. Das Buch „stellt das System der christlichen Theologie aus den Schriften der Kirchenväter, und besonders des Augustin, dialectisch auf, so dass bei jedem Dogma die Gründe und Autoritäten aus der Bibel und den Vätern dafür und dawider aufgeführt werden, deren Vereinigung und Ausgleichung dann auf alle Weise versucht wird." (Rixner, Gesch. der Philosophie zweiter Band, zweite Auflage. S. 58). Vgl. über ihn die eingehende Darstellung Ritters, Gesch. der Philosophie, Bd. VE, S. 474 ff.

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