Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1863
- Date
- 1863-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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VI nur mit innerem Widerstreben der kirchliche!! Auctorität gefügt. Vielmehr kommen wir hier auf einen anderen charakteristischen Unterschied zwischen ihm und Maimonides, der auch, abgesehen von der verschiedenen geschichtlichen Stellung beider Männer — Maimonides am Ende einer Reihe religionsphilosophischer Bestrebungen und sie gewissermassen abschliessend und krönend, Albert am Anfange1) und versuchend — der auch, abgesehen davon, sagen wir, den Unterschied ihrer Leistungen genügend erklärt. Maimonides glaubte an die Philosophie und an die Fähigkeit der menschlichen Vernunft, die Wahrheit zu erkennen. Wenn er, wie jeder Besonnene, von den Schranken spricht, die unserem Erkennen gesetzt sind, so spricht er von den Schranken der menschlichen Natur überhaupt, Schranken, die ihm nur mit dem Unterschiede des Mehr und minder auch für die Propheten gelten2). Dagegen kennt er keine Herabsetzung des menschlichen Denkens imlnteresse des Glaubens. „Wisse," sagt er in einem bemerkenswerthenCapitelseines More3), „dass der Glaube nicht Etwas ist, das man blos ausspricht, sondern das man vorstellt in der Seele, wenn man nämlich glaubt, dass es so ist, wie es vorgestellt wird. Wenn Du also, wo es sich um wahre oder für wahr gehaltene Meinungen handelt, Dich begnügst, sie in Worte zu fassen, ohne sie vorzustellen und an sie zu glauben, geschweige denn eine sichere Erkenntniss zu suchen, so ist das sehr leicht. Und so findest Du viele thörichte Menschen, die Glaubenssätze im Gedächtnisse bewahren, von denen sie schlechterdings sich keine Vorstellung bilden. Aber wenn Du Dir vornimmst, Dich zu erheben zu der erhabenen Stufe, der Stufe der Speculation, und eine Gewissheit zu haben, dass Gott einig ist und zwar in einer wirklichen Einheit, so dass Du in ihm nichts Zusammengesetztes oder was potentiell in irgend einer Weise theilbar ist, findest, so musst Du wissen, dass Gott kein sein Wesen ausdrückendes Attribut hat, und dass so wenig es zulässig ist, dass er ein Körper sei, gerade so wenig zulässig ist, dass er ein wesenhaftes Attribut besitze. Derjenige, der glauben würde, dass er einig sei, aber zahlreiche Attribute besitze, der würde durch sein Wort wohl ausdrücken, dass er einig sei, aber in seinem Denken würde er ihn vielfältig denken." Maimonides kennt daher auch keinen solchen Unterschied zwischen natürlichem und übernatürlichem Wissen, der zum Gegensatze ausschlüge. Wohl unterscheidet er das prophetische Wissen von dem Wissen durch Speculation. Aber der Inhalt auch des prophetischen Wissens ist durchaus ein der natürlichen Vernunft gemässer. Auch fühlt er sich nicht behindert, bei aller Anerkenntniss der göttlichen Wahl die physischen, psychologischen und ethischen Bedingungen für die Prophetie in der Seele des Propheten aufzusuchen, mit andern Worten die Prophetie zu erklären. Auf ganz anderem Standpunkte steht so wird an zahlreichen Stellen blos mit der Formel: „sed quia haereticum est dicere" eine philosophische Meinung als nicht aeeeptabel bezeichnet. *) Man verkenne nicht, was wir damit sagen wollen, dass Albert am Anfange von religionsphilosopbisehen Bestrebungen stehe. Wir meinen am Anfange der Richtung, auf die wir oben S. IV hingewiesen haben, während Maimonides keinesweges der erste seiner Richtung ist, vielmehr selbst auf seine Vorgänger verweist (More I. 71). 2) Vgl. Jad Haehasaka,* Jesode Hathora I, 10. 3) More I, 50.