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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1863-01-01 · 1863 · page 7

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1863
Date
1863-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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IV spricht,). Endlich, ein Umstand, der auch Jourdain wenigstens nicht ganz entgangen ist, war Maimonides insofern geradezu der intellectuelle Urheber der ganzen veränderten Richtung, welche die christliche Scholastik mit Albert nahm, als vorzugsweise der Ruhm seines Namens und seiner Leistungen, von denen besonders Süd-Frankreich wiederhallte, in den christlichen Lehrern den edlen und fruchtbaren Wetteifer entzündete, auch ihrerseits der Zeitphilosophie Rechnung zu tragen, des Aristotelismus in allen seinen Theilen sich zu bemächtigen und ihn in ein ähnliches Verhältniss zu setzen zur christlichen Lehre, wie es Maimonides zur jüdischen gethan hatte2). In Albert sehen wir zu diesem Unternehmen den ersten grossen Versuch, und als solchen ersten grossen Versuch müssen wir einen namhaften Theil seiner zahlreichen Werke ansehen, wenn wir wissen wollen, was sie besagen. Was uns aber berechtigt, Albert's Arbeiten einen Versuch zu nennen, das ergibt sich nur aus einer Vergleichung der Arbeiten Albert's und der des Maimonides im Grossen und Ganzen. Maimonides schreibt für solche, welche die Zeitphilosophie kennen, welche von ihr beunruhigt die Naivität des Glaubens verloren haben und nur durch wissenschaftliche Vermittelnng wieder zu demselben zurückgebracht werden können 3). Er hat nicht nöthig, seine Leser erst zu Aristotelikern zu machen, um sie dann über den etwaigen Widerstreit zwischen Aristotelismus und Judenthum zu beruhigen. Er redet zu Philosophen. Sein More Nebuchim stellt daher auch nirgends ') Belehrend für die Unkenntniss des Verhältnisses Albert's zu Maimonides sind die Worte Sighartd's S. 357 Note 3: „Ebenso widerlegt er (Albert) die sieben Beweise des Rabbi Moses für die Ewigkeit der Welt." Kann man unter diesem Satze verstehen, was doch der wahre Sachverhalt ist, dass er nach R. Moses alle Beweise für die Ewigkeit der Welt auf sieben zurückführt, um sie dann sämmtlich mit R. Moses und nach R. Moses zu widerlegen? Und doch war dieser Sachverhalt zum Theil schon aus der Ueberschrift des Capitels (tom. XVJLLL, 2 pars summ, theol. S. 58) zu ersehen: de Septem viis quas collegit R. Moyses, quibus probatur mundi aeternitas. 2) Vgl. Jourdain-Stahr S. 284. Ueber die veränderte Richtung, welche die Scholastik im Anfange des 13. Jahrhunderts nahm, vgl. ausser Jourdain namentlich Ritter, Gesch. der Philosophie, Bd. VII S. 633 bis 662. Dass vorzugsweise die jüdischen Philosophen in Südfrankreich und das Buch, um das sie sich schaarten, der More Nebuchim, diese veränderte Richtung herbeiführten, ist am klarsten Renan geworden, der freilich nur von parallelen Richtungen in der jüdischen Philosophie und in der Scholastik spricht, aber gewiss nicht in Abrede stellen wird, dass die zweite parallele Richtung durch directen Einfluss eingeschlagen worden. Seine Worte, für die wir nicht vollständig die Verantwortung übernehmen, lauten (L 1. S. 145): Deux faits caracterisent cette seconde periode de la philosophie juive: 1) le theätre change: le fanatisme des Almohades en meme temps qu'il etouffe la philosophie chez les Musulmans contraint la civilisation juive ä refluer dans l'Espagne chretienne, en Provence, en Languedoc. Barcelone, Sarragosse, Narbonne, Montpellier, Lunel, Beziers, Marseille deviennent les centres de ce nouveau mouvement. 2) La philosophie juive revet trait pour trait (?) la physionomie de celle des Arabes. Jusqu'ä Ma'imonide cette philosophie, quoique essentiellement peripat&icienne (?) se developps d'une maniere assez independante. Saadia, Ibn-Gebirol, Jehuda Halevi rapellent la premiere scolasüque (Abelard, Roscellin e. v. t.) anterieure ä la traduction du corps complet de raristotelisme. Moi'se Ma'imonide, L6vi ben Gerson au cöntraire^ rapellent la seconde scolastique (Albert, saint Thomas) embrassant Fensemble de Tencyclo p6die peripat6tique. 3) Das sind so ziemlich die eigenen Worte des Maimonides in seiner Vorrede zum More Nebuchim.

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