Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1863
- Date
- 1863-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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III was er ausgeschrieben, augenscheinlich Punkte betraf, in denen ein christlicher Theologe besser that, den Maimonides als den Aristoteles zu Rathe zu ziehen. Erst Thomas von Aquin benutzte nicht blos Maimonidische Stellen, sondern arbeitete im Geiste Maimoni's. „Der More Nebuchim ist der Vorläufer der Summa des Thomas," so urtheilt ein katholischer Professor der Philosophie') unter dem frischen Eindrucke der ihm durch die Munk'sche Uebersetzung bequem gemachten Lektüre des More, und so muss Jeder urtheilen, der sich aus dem vergleichenden Studium beider Männer überzeugt, dass Thomas, natürlich so weit die Verschiedenheit der religiösen Grundlagen es verstattet, in durchaus Maimonidischer Weise an die Versöhnung der Philosophie mit den von der Schrift gebotenen Anschauungen geht. Wenn wir nichtsdestoweniger statt von dem Verhältnisse des Thomas von dem Verhältnisse' Albert's zu Maimonides hier reden, so haben wir dafür mehr als einen Grund. Einmal war Albert, der etwa 40 Jahre nach Erscheinen des More schon als öffentlicher Lehrer wirkte, wenn nicht der erste, doch sicherlich einer der ersten christlichen Lehrer, die ihn benutzten. Dann bedeuten auch schon bei Albert die aus dem More benutzten Stellen mehr als ihr räumlicher Umfang besagt, obwohl selbst ihr räumlicher Umfang bei weitem grösser ist, als man das bis jetzt weiss oder ausin Ersch und Gruber S. 44=4. Jourdain-Stahr S. 131.— 2) Avicebron Ibn-Gebirol, dessen philosophische Meinungen ihn jedoch fremd anmuthen (tom. V. de causis et proc. univert. S. 562: specialem sibi fingens philosophiam) und der viel mehr Anldang fand bei dem Philosophen der Franziskaner Duns Scotus. — 3) Ein sonst nicht weiter bekannter David, den er aber als Judaeus und als Verfasser des Buches de causis bezeichnet, und dem er neuplatonische Lehrmeinungen nachschreibt im guten Glauben, daran die Lehren der Peripatetiker zu haben, so dass, während das erste Buch seiner Schrift: de causis et processu nnivertatis in der That die nur in den Systemlücken des Aristotelismus neuplatonisch verkitteten Meinungen der arabischen Peripatetiker enthält, vom zweiten Buche ab, wo er dem David folgt, umgekehrt die neuplatonischen Anschauungen vorwiegen und nur hie und da mit den peripatetischen ausgeglichen werden. Vgl. über David, Jourdain-Stahr S. 192. — 4) Der jüdische Philosoph und Uebersetzer Avendeath (bei Albert tom. I. de praedicabilibus S. 91 Avendar), über dessen grossartige Thätigkeit als Uebersetzer Jourdain S. 1*22 ff. handelt und dessen Uebersetzungen Albert seine Eenntniss der logischen Schriften der Araber verdankt. Steinschneider vermuthet in seinem catalogus libr. hebr. in biblioth. Bodlejana (S. Artikel Aristoteles und Artikel Johannes Hispalensis), dass Avendeath eine Corruptel von Ibn-Daud, und dass dieser Ibn-Daud identisch sei mit dem vorgenannten David, dem Verfasser des Buches de causis. Die Zeit passt freilich und eben so wenig ist der Einwand von grosser Bedeutung, dass Albert denselben Mann einmal David und das andere Mal Avendar nennt. Sollte die Vermuthung richtig sein, so wäre (s. Jourdain 1. 1.) Johannes Avendeath, Johannes Hispalensis und David eine und dieselbe Person. — 5} Der berühmte jüdische Astronom und Astrolog Maschallah aus Aegypten im 8. Jahrhundert, „seculi sui phoenix," wie ihn Abulpharag' (angeführt in Wolfs biblioth. IH S. 821) nennt und von dem Albert aus Anfuhrungen bei Averroes ein Buch „de sphaera mota" kennt (tom. I de praedicamentis S. 120: quamvis Averroes de substantia orbis dicat, quod Meschalach probat in libr. de sphaera mota quod corpus caeleste susceptibüe sit raritatis et densitatis secundum suae substantiae mutationem). — 6) Ob er für seinen dem ülä&äl "T)D der Kabbalisten entsprechenden Begriff des contrahere, der bei ihm öfter vorkommt (vgl. Ritterl. \. S. 208), eine jüdische Quelle hat, weiss ich nicht. *) Emile Saisset in der Revue de deux mondes vom 15. Januar 1862: Maümonide est le precurseur de saint Thomas d1 Aquin et le Mor6 Neboukhim annonce et prepare la summa theologiae. 1*