Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1863
- Date
- 1863-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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n Büchern zu lesen ist, so kann man doch mit Recht fragen, wie viele Philosophen- und Gelehrtennamen, die entweder intakt oder verstümmelt1) zu Albert's Kenntniss gelangten, denn überhaupt in seinen Büchern fehlen. Freilich sind es nicht allein und nicht einmal hauptsächlich die Stellen, in denen Maimonides namentlich angeführt wird, die uns über Albert's Verhältniss zu ihm belehren. Höchstens können diese ausdrücklichen Citate uns darauf führen, den Spuren von Benutzung weiter nachzugehen. Es handelt sich nämlich nicht um einzelne Stellen, sondern um ganze Abhandlungen des Maimonidischen Werkes, des More Nebucbim, die in den Schriften Albert's reproducirt sind. Aber auch so noch nicht gewinnnen wir eine ausreichend richtige Vorstellung von dem Verhältnisse dieses berühmten Lehrers der katholischen Kirche zu einem der grössten Lehrer des Judenthums. Wer sich nämlich die Schriftenmenge Albert's obenhin ansieht, ohne über ihre Intention und ihr Wesen weiter nachzudenken, der wird sagen: Was bedeuten selbst ganze Capitel, die aus dem More Nebuchim in Albert's Bücher gewandert sind, gegenüber ganzen Folianten, die auf aristotelischem und neuplatonisehem Grunde ruhen, und gegenüber anderen Folianten, in denen die Meinung der Kirchenlehrer für ihn massgebend ist? Aber was sie bedeuten, das hat schon der nächste Nachfolger Albert's bewiesen, der an systematischer Kraft ihm überlegene Thomas von Aquin. Albert war nämlich bei allem Scharfsinne im einzelnen sowohl von Natur als auch vermöge seiner geschichtlichen Stellung noch zu sehr Sammler und noch zu wenig systematischer Bearbeiter seiner Themata, um das Beispiel, das Maimonides gegeben hatte, genügend nutzen zu können. Er konnte und wollte ihn nur ausschreiben, wie er zahllose andere Autoren ausschrieb2), obwohl, Schrift hei Albert auftritt, ist: „dux neutrorum" (t. 18. 2/Jpars summae theol. S. 58). Auf diese alte Uebersetzung weist auch Justinianus, der den More 1520 übertragen hat, in folgenden Worten seiner in Wolfs Bibliothek (IH, 781) abgedruckten Vorrede hin: „Hunc vero ejusdem librum, qui inscribitur director dubitantiura jampridem in nostrum sermonem versum constat ab interprete, cui magis curae fuit (ut Ulis temporibus) sententias utcunque exprimere." Die wegen der Fülle des Stoffes und wegen der in manchen Fragen schwankenden Haltung Albert's schwierige Arbeit, seine Meinungen zu einem systematischen Ganzen zu vereinigen, hat Bitter unternommen in seiner Gesch. der Philosophie Band VEI. *) Proben der sonderbarsten Namensverstümmelungen siehe bei Jourdain^ Stahr S. 292 u. a. a. 0. 2) Glücklich ist der Ausdruck Renan's (Averroes et rAverroTsme pag. 184): Albert a coutume de fondre dans son texte tout ce qu'il a entre le mains. Von jüdischen Autoren ausser Maimonides, die Albert benutzt, sind uns folgende begegnet: 1) der berühmte jüdische Arzt Isaac Israeli (der ältere), den er im Gegensatze zu der geringschätzigen Meinung, die Maimonides von seinen philosophischen Schriften hat, als den Hauptvertreter der jüdischen Philosophie vor Maimonides ansieht (tom. HI metaphys. S. 375 sagt Albert: et Judaeus qui ante ipsum iMaimoniden] fuit in philosophia magnus qui vocatur R. Isaac) und von dem er sehr häufig Meinungen, zumeist aus „de definitionibus" und aus „de elementis" citirt. (Tom. I iait; tom. V. de somno et vigilia S. 66 u. 98, „de nat. et origine animae S. 210 u. a. v. a. 0.) Mit welchem Rechte er ihm schon die Identification der von den Philosophen angenommenen Sphärengeister mit den biblischen Engeln zusehreibt (tom. XVIII 2 pars summae theol. S. 76), weiss ich nicht, ist wohl auch ungenau. Vgl. über Isaac: Grätz, Gesch. der Juden Bd. V. S. 283. Steinschneider, jüdische Literatur