Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1862
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 47)
- Language
- German
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V Am 18. October beging das Seminar die Krönnngsfeier des Königs. Nach Absingung von Ps. 21 und 72 bestieg Dr. Joel die Kanzel und sprach anknüpfend an die Worte des Wochenabschnittes und die midraschische Auslegung derselben: ,,Und es war nach*diesen Begebenheiten, da versuchte Gott den Abraham, da erhob Gott den Abraham," wie auch in der preussischen Geschichte Versuchung und Erhöhung auf einander folgten, und wie wir nur dem in der Wahl des 18. Octobers zum Krönungstage Hegenden Fingerzeige des Königs folgten, wenn wir die heutige Zeit und unsere heutigen Pflichten als Staatsbürger im Lichte jener glorreichen Zeit betrachten, da des Königs Tugend und des Volkes Liebe gemeinschaftlich das Vaterland erhoben und zu Ehren brachten. Der Gebethymnus für das Heil des Königs beschloss die Feier. * Die Anstalt fühlt sich gedrungen, ihren Dank für mehrere ihr in diesem Cyclus gewordene schätzbare Beweise des Wohlwollens und der ehrenden Theilnahme wiederholt auszusprechen. Dieses Wohlwollen gab sich zumeist in Gründung bedeutender Stipendien kund. Herr Director J. Lehmann in Glogau übergab im Jahre 1854 dem Curatorium 600 Thlr. mit dem Wunsche: „Von den Revenüen dieses Capitals soll alljährlich ein Stipendium an einen der obern Abtheilung angehörenden Seminaristen ertheilt werden, jedoch in der Weise, dass derjenige es erhalte, der über ein vom Director gegebenes wissenschaftliches Thema die nach dem Ausspruche des Lehrercollegiums beste Arbeit geliefert hat. Dieses Stipendium soll an dem jedesmaligen Todestage des Stifters vertheilt werden und soll der mit dem Stipendium belohnte Hörer seine Ausarbeitung an der Gedächtnissfeier vortragen." Herr B. Poppelauer von hier bestimmte im Jahre 1857 die Zinsen von 1000 Thlr. zu einem Stipendium für Seminaristen. Herr L. Jaffe in Posen fundirte in demselben Jahre 1000 Thlr., deren jährliche Zinsen einem Seminaristen als Stipendium ertheilt werden. Die Herren Vertreter der israel. Culturgemeinde zu Wien bestimmten im Jahre 1859 ein mehrjähriges Stipendium von je 100 Fl. für mittellose Seminaristen. Ein nicht genannt sein wollender Gönner des Seminars errichtete in demselben Jahre ein Stipendium aus den Zinsen von 500 Thlr. Der im Jahre 1860 verstorbene Herr M. Biram von hier hinterliess dem Seminar 500 Thlr. zur Begründung eines Stipendiums. In diesem Jahre wurde von Gönnern des Seminars die Bibliothek bedeutend vermehrt, auch wurden neue Stipendien gegründet. Durch den im Juli d. J. erfolgten Tod des Herrn Dr. B. Beer in Dresden erlitten Judenthum und dessen Wissenschaft einen tiefen Verlust. Aber „das Andenken des Gerechteu verbleibt zum Segen": die von ihm hinterlassene reichhaltige, die seltensten Werke jüdischer Autoren umfassende Bibliothek soll ferner der Förderung der jüdischen Wissenschaft gewidmet bleiben. Seine in dem Geiste ihres sei. Gatten fromm wirkende Wittwe Frau Dr. Bertha Beer übergibt diese Bibliothek dem Seminar mit der Bestimmung, dass sie als „Dr. Beer'sche Bibliothek" am Seminar aufbewahrt bleibe.