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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1862-01-01 · 1862 · page 46

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1862
Date
1862-01-01
Page
– (sequence 46)
Language
German
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IRI
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IV Das Rabbinerseininar zählt achtundvierzig Hörer, und zwar sechsundzwanzig Preussen, dreizehn Oesterreicher, drei Hannoveraner, einen Darmstädter, einen Lippe-Detrnolder, einen Schweden, einen Dänen, zwei Niederländer. Von diesen Hörern haben zehn die philosophische Doctorwürde erlangt, siebzehn besuchen die Universität. Lehrerseminar. Dr. Graetz: Pentateuch, Psalmen, Hebräische Grammatik, combinirt mit der zweiten Abtheilung des Rabbinerseminars. Biblische und jüdische Geschichte: von Abraham bis zur Zerstörung des zweiten Tempels durch die Römer. Dr. Joel: Systematische Religionslehre. Raschicommentar zum Pentateuch. Ausgewählte Stücke aus Maimoni's Jad Hachasaka. Das Lehrerseminar zählt sechs Hörer, welche Preussen sind. Cantor Deutsch leitet den Gesangunterricht im Rabbiner- und Lehrerseminar. Den Lehmann'schen Preis für die, über ein gegebenes wissenschaftliches Thema gelieferte beste Arbeit errang Herr Dr. philos. D. Michaelis aus Chodziesen, welcher auch am Tage der Gedächtnissfeier seine Preisschrift vorlas. Dieses Jahr wurde als Preisaufgabe gestellt: Die Familie in moralischer und rechtlicher Beziehung nach mosaisch-talmudischer Lehre. Der Name desjenigen, der den Preis errungen, wird im Berichte des künftigen Jahres mitgetheilt werden. Das Seminar beging am 27. Januar die statutenmässige Gedächtnissfeier des Stifters der Anstalt, des Königlichen Commerzienraths Jonas Fr an ekel. Am 16. Februar beging das Seminar die Trauerfeier um des Hochseligen Königs Majestät. Nach einem Recitativ (Ps. 16) sprach Dr. Joel, anknüpfend an die Worte Kohelet's 1, 4. 5, und hob hervor, dass die politische Betrachtungsweise eines Ereignisses wie der Tod eines mächtigen Monarchen einseitig bleibt, wenn sie nicht durch die religiöse Betrachtungsweise ergänzt wird. Nur die letztere zeige uns den König als providentielle Erscheinung, gibt uns daher erst zu ihm das richtige Verhalten und bei seinem Verluste den einzig wahren und rechten Trost. Der Gebethymnus für das Heil des Königs und Seines Hauses beschloss die Feier. Am 22. März beging das Seminar die Geburtsfeier Sr. Majestät des Königs Wilhelm I. Nach Absingung von Ps. 21 und 72 sprach Dr. Joel mit Zugrundelegung des Schriftwortes: „Das Loos ist mir aufs Liebliche gefallen, auch ist mein Erbe schön in meinen Augen" zunächst von der Anwendbarkeit der Worte: „Das Loos ist mir aufs Liebliche gefallen," auf das Preussische Volk, dem die Vorsehung einen König wie Wilhelm I. gegeben, dann von der dem Volke obliegenden Verpflichtung, durch sein Verhalten darzuthun, dass es auch die Zumuthung, die in dem zweiten Theile des Textwortes liegt: „Auch ist mein Erbe schön in meinem Augen," die Zumuthung der dankbaren Anerkennung nämlich, verstehe und beherzige. Der Gebethymnus für den König machte den Schluss der Feier.

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