Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1862
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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3 von Babyloniern nach Palästina waren an der Tagesordnung. Als Constantius, der erste intolerante christliche Kaiser, die Juden in Palästina verfolgte, wanderten palästinensische Gesetzeslehrer nach Babylon aus. Umgekehrt sind die Beispiele zahlreich von Wanderungen babylonischer Jünger nach palästinensischen Lehrhäusern. Die Angaben des babylonischen Talmuds über die damals unter den Juden üblichen Gewicht-, Münz- und Maass-Verhältnisse sind daher umsomehr in den Kreis der Untersuchung zu ziehen, als derselbe eine viel reicher fliessende Quelle denn der jerusalemische Talmud ist. Das Ziel der folgenden Arbeit ist nun, das Gewicht- und Münz-System der mischnaitisch-talmudischen Zeit nach jetzt gangbaren Nominalen darzustellen, und das der biblischen, welches so vielfach schon behandelt worden ist, nur insofern zu berühren, als es zum näheren Verständnisse dieser Aufgabe nöthig ist. Denn die Talmude behandeln nicht selten dieses Material, um biblische Bezeichnungen und Werthe zu interpretiren, sie geben dann die Wandlungen an, welche diese Werthe im Laufe der Zeit erfahren haben. Insofern verhält sich der Talmud zur Bibel exegetisch, und die Untersuchung ist dann genöthigt, auf diese talmudisch-exegetischen Resultate einzugehen. Die heilige Schrift findet nämlich keine Veranlassung, genauere Definitionen über Numismatik und Metrologie zu geben, und selbst die oben genannten Werke enthalten keine wissenschaftlichen Abhandlungen über diese Disciplinen; sie entwickeln grösstentheils beiläufig gewisse numismatische und metrologische Relationen, wenn es sich darum handelt, biblische Verordnungen, worin Gewicht, Münze oder Maasse erwähnt oder angedeutet werden, näher zu bestimmen und ihre Anwendung für veränderte Zustände festzusetzen. Diese Entwicklungen stellen die Werthe biblischer Gewichts-, Münz- und Maass-Nominale durch jene dar, welche in der talmudischen Zeit gangbar waren. Die gegenseitige Abhängigkeit dieser verschiedenen Werthzeichen untereinander und ihr Zusammenhang mit denen der biblischen sind für uns nicht immer in klaren Worten ausgesprochen, und selbst die sich darbietende Vergleichung mit griechischen und römischen Gewichten, Münzen und Maassen reicht nicht aus, um mit den jetzt gebräuchlichen Nominalen verglichen werden zu können, da jene im Laufe der Zeiten einer steten Veränderung unterworfen waren. In den ersten Anfängen staatlicher Bildung fallen Gewicht und Münze zusammen, denn der Gebrauch des edlen Metalles als Tauschmittels in der patriarchalischen Zeit ist in mehreren Stellen der Bibel erwähnt, und das dabei am meisten gangbare Stück, der Seh ekel (!>pW, aixXog), deutet schon seinem Namen nach daraufhin, dass das Tauschmittel auch gewogen wurde. Da man nun das Gewicht auf die einzelnen Stücke anwendete, so war die Wage ihr Regulator; erst durch Vollgewicht erhielt das Einzelstück seinen eigentlichen Münzwerth. Das Korn der gemünzten Silberstücke späterer Zeit war der Art, dass keine grosse Differenz in der Güte des Silbers im Allgemeinen stattgefunden hat, und dies war auch ein Grund, dass die Werthe jener Silberstücke sich auf das Verhältniss ihrer Gewichte beschränkten2). Das Gewicht repräsentirte somit das Werthzeichen des Einzelstückes und gab den Werthmesser des eingetauschten Gegenstandes ab. Es ist daher ganz natürlich, dass die Namen der Gewichte theilweise auf das später gemünzte Geld übertragen worden, und dass jene Benennungen noch zu einer Zeit bestan- 2) Boekh, Metrologische Untersuchungen über Gewichte, Münzfüsse und Maasse des Alterthuras in ihrem Zusammenhange. Berlin 1838. Vorerinnerung pag. VII. 1*